Gummigeschosse und Bildungsentzug gegen gewaltbereite Demonstranten?

Im Nachgang der Großdemonstration in Hamburg hat der CDU Abgeordnete Karl-Heinz Warnholz laut der Hamburger Morgenpost (1) verschiedene Forderungen aufgestellt, um gewaltbereiten Demonstranten zu begegnen, so unter anderem die Einführung von Gummigeschossen und als alterantive Strafen der Entzug der Fahrerlaubnis oder ein erschwerter Zugang zum Abitur oder Hochschulabschluss. Im Folgenden sollen diese Forderungen näher betrachtet werden.
„Gummigeschosse und Bildungsentzug gegen gewaltbereite Demonstranten?“ weiterlesen

Unser Leben ist die Parodie unserer Träume

Wenn Literatur die Grundfragen unseres Lebens auf immer neue Weise verarbeitet, dann ist Stephan Thome ein großartiger Wurf nach einer Antwort gelungen. Seine Protagonisten suchen vor allem eines, ein glückliches Leben und unterstreichen damit, was schon Aristoteles zu Beginn der Nikomachischen Ethik niederschrieb, nämlich das alle Menschen nach dem Glück suchen.
Indes, Stephan Thomes Figuren zeigen uns, wie schwer dieser Weg ist und das ein paar Äußerlichkeiten noch kein erfülltes Leben versprechen. In zwei sprachlich wundervollen Romanen verfolgen wir Protagonisten auf der Suche nach einem gelungenen Dasein und gehen mit ihnen verschiedenste Wege und Irrwege ab. Eine endgültige Antwort, ein Lebensrezept in Form eine Anleitung geben die Romane nicht, aber bei dem geneigten Leser vermögen sie Fragen anzustoßen und den Impuls, sich selbst Rechenschaft abzulegen.
„Unser Leben ist die Parodie unserer Träume“ weiterlesen

Neuer Roman von Haruki Murakami

Es scheint, als könnte sich die Fangemeinde auf ein baldiges Erscheinen eines neuen Werks von Haruki Murakami freuen. Am 12. April erscheint in Japan sein neuer Roman 色彩を持たない多崎つくると、彼の巡礼の年 (dt. Der farblose/farbblinde Tsukuru Tasaki und das Jahr seiner Pilgerfahrt). Die genannte deutsche Übersetzung des Titels ist nicht der offizielle Übersetzungstitel, sondern nur eine ungefähre Übersetzung aus dem Japanischen.

Bislang ist es in der deutschen Presselandschaft still um das besagte Buch, möglicherweise weil die englische und deutsche Übersetzung noch auf sich warten lassen werden und man kaum vor Ende 2013 oder 2014 mit ihnen rechnen kann. Auf der Seite seines deutschen Verlages DuMont finden sich noch keine Informationen, es dürfte allerdings davon auszugehen sein, dass sein Roman dort in der Übersetzung von Ursula Gräfe erscheinen wird.
„Neuer Roman von Haruki Murakami“ weiterlesen

Kein größerer Schmerz,
als sich erinnern glücklich heiterer Zeit
im Unglück.

Alighieri, Dante: La divina commedia. V, 121-123. ital.: Nessun maggior dolore // che ricordarsi del tempo felice // ne la miseria.

„Du willst leben? Kannst Du das denn?“ (1)

Die Frage Senecas erscheint fast widersinnig. Das Leben ist allgegenwärtig, ein ewiges Wuchern und Blühen um uns herum, während wir Sauerstoff in unsere Lungen schaffen, das Blut in unserem Körper zirkuliert und wir freudig bekennen können, dass wir leben.
Doch Seneca hat nicht den biologischen Akt des Lebens im Blick, mehr gehört für ihn dazu, als umherwandeln zu können. Und seine eindringliche Frage dringt tief, wenn wir unser Leben betrachten. Verstehen wir tatsächlich es zu leben?
„“ weiterlesen

Jeder Schritt ein ganzes Leben

In Giuseppe Verdis Oper La Traviata lernt der Zuschauer die Kurtisane Violetta Valéry kennen. Violetta verliebt sich auf einer ihrer unzähligen Feiern in Alfredo Germont und verlässt ihren Begleiter Baron Douphol. Später, Violetta und Alfredo leben zusammen in der Nähe von Paris, tritt Alfredos Vater Georgio ohne Wissen seines Sohnes an Violetta heran und fordert sie dazu auf, das Verhältnis zu seinem Sohn des Rufes der Familie wegen zu beenden. Violetta leidet an Tuberkulose, im Wissen darum, dass ihr ein hohes Alter nicht vergönnt sein wird, gibt sie dem Wunsch von Georgio nach, gesteht dem unwissenden Alfredo noch einmal ihre tiefe Liebe und entschwindet in einer Kutsche. Alfredo, verlassen und unglücklich, folgt ihr kurz darauf und findet sie auf einer Feier. Dort versucht Violetta ihn zum Gehen zu bewegen und erzählt ihm aus diesem Grund auch die Lüge, dass sie nun Baron Douphol liebe. Es kommt im Verlauf zum Duell zwischen dem Baron und Alfredo, der Baron wird verletzt, Alfredo verlässt das Land. Alfredos Vater jedoch bereut, Violetta von seinem Sohn getrennt zu haben, er eröffnet Alfredo seine Tat, worauf Alfredo sofort zu Violetta zurückkehrt, gerade noch rechtzeitig um die tuberkulosekranke Violetta in seinen Armen sterben zu lassen.

Was kann uns das alles lehren?
„Jeder Schritt ein ganzes Leben“ weiterlesen

Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst, wer ihr alles opfert, noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.

Schopenhauer, Arthur: Die Welt als Wille und Vorstellung. Aus der Vorrede zur zweiten Auflage.

Bist Du ein wahrer Philosoph?

Platon schreibt in seinem siebten Brief, den er an die Freunde Dions richtet, von seinen drei Reisen nach Sizilien. Er berichtet vom Enstehen seiner Freundschaft zu Dion, von Dions Hoffnungen den Tyrannen von Sizilien, Dionysios I, für die Philosophie zu gewinnen, was Anlass der zweiten Reise Platons nach Sizilien war. Nachdem dies fehlschlug entschloss sich Platon, der bereits in hohem Alter war, unter vielen Bitten zu einer dritten Reise nach Sizilien, um das, was bei Dionysios I fehlschlug, bei dessen inzwischen regierenden Sohn, Dionysios II, erneut zu versuchen.
Obwohl davon gekündet wurde, Dionysios II sei sehr belesen und interessiert an der Philosophie, war Platons dritte und letzten Reise von einem äußerst negativen Verlauf gekennzeichnet, in deren Folge er von Dionysios nicht mehr in seine Heimat entlassen wurde und es viel Aufwandes bedurfte, sich aus den Banden des Tyrannen zu befreien und Sizilien wieder zu verlassen. Es ist auf eben dieser dritten Reise, auf der Platon eine Probe ersinnt, den wahren vom scheinbaren Philosophen zu scheiden.
„Bist Du ein wahrer Philosoph?“ weiterlesen

Nach was sollen wir streben?

Die Menschen verfallen im Laufe des Lebens auf etwas, dass sie für ein Gut halten, nach dem es sich zu streben lohnt. Aber ist dieses Gut wirklich gut für den Menschen? Die Antwort des pyrrhonischen Skeptikers ist eindeutig: Sofern ein Mensch etwas für ein Gut hält, wird dieses vermeintliche Gut ein ewiger Quell der Beunruhigung für den Menschen sein. Hat er es nicht, muss er ihm hinterherjagen, hat er es aber erreicht, so kehrt keine innere Ruhe ein, sondern es kommt die Furcht vor dem Verlust des vermeintlichen Gutes auf. Das erstrebte Gut ist folglich kein Gut, sondern schädlich, da es anstatt Ruhe nichts als Beunruhigung in das Leben bringt.
Man kann dies am Beispiel des Geldes einfach veranschaulichen: Hält jemand Geld für ein Gut, nach dem es sich zu streben lohnt, so wird er nicht glücklich werden können, solange er das Gut nicht besitzt; hat er es aber erlangt, so stellt sich keine Ruhe ein, sondern die Sorge vor dem Verlust des Geldes, vor dem Zurückfallen in die Armut, dominiert das Denken. Der Reichtum muss geschützt, verwaltet und bewahrt werden.
Man täte also in den Augen des Skeptikers gut daran, nichts fälschlicherweise als ein Gut zu setzen. Dann bliebe einem so einige Beunruhigung im Leben erspart.

Sextus Empiricus: Grundriss der pyrrhonischen Skepsis. I, 27

Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn,
daß er nicht dabei zum Ungeheuer wird. […].

Nietzsche, Friedrich: Jenseits von Gut und Böse. Aph. 146