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Seneca über das glückliche Leben

Bruder Gallio, alle wollen glücklich leben, aber sie sind verblendet zu erkennen, was es ist, was das glückliche Leben macht; und zumal es nicht leicht ist das gute Leben zu erlangen, deswegen tritt jeder weiter von diesem zurück, desto eiliger er zu jenem hineilt, wenn er vom Weg abgefallen ist.



Seneca: De vita beata (dt. Über das glückliche Leben). I, 1. Übersetzung von mir. lat.: Viuere, Gallio frater, omnes beate uolunt, sed ad peruidendum quid sit quod beatam uitam efficiat caligant; adeoque non est facile consequi beatam uitam ut eo quisque ab ea longius recedat quo ad illam concitatius fertur, si uia lapsus est.

Chris  Zitat des Monats  1 Kommentar

Was ist Skeptizismus?

Wir leben heutzutage in einer Welt, in der Erkenntnisse über unsere Welt zwar angezweifelt werden, aber stets nur aus dem Grund, sie durch eine erneute Erkenntnis zu ersetzen. Die Naturwissenschaft ist geradezu angewiesen auf einen objektiven Zugang zum Sein der Welt.
Die Möglichkeit eines objektiven Zugangs überhaupt wird dabei selten hinterfragt, dennoch ist durch ihre Verdrängung die Frage nach der Möglichkeit von Wissen über die Außenwelt nicht beantwortet. Der Skeptizismus bestreitet (je nach Strömung) die Möglichkeit von Wissen über die Außenwelt oder zweifelt an der Beantwortbarkeit der Frage schlechthin. Eine solche Frage wirkt zumeist absurd auf Menschen, die in einer Welt leben, in der Wissenschaftler Flugzeuge zum Fliegen gebracht haben, was an sich wie ein Beweis eines objektiven Zugangs zu Naturphänomenen wirkt. Jedoch bezieht sich der Skeptizismus weniger auf ein konkretes Phänomen innerhalb der Welt, sondern auf die Außenwelt als Ganzes.
Die Philosophie der Skepsis ist dabei keine Erscheinung der Moderne, sondern nimmt ihren vermutlichen Anfang bei Pyrrhon von Elis, der von 360 bis 270 v. Chr. lebte, und wirkt bis in die Moderne bei Autoren wie Thomas Nagel, Barry Stroud oder Bernard Williams. Während über zweitausend Jahre hindurch auch antiskeptische Strategien entwickelt wurden, hat es von diesen keine einzige geschafft den Skeptizismus zu entkräften.
Zumindest aus philosophischer Sicht harrt die Frage nach der Möglichkeit von Wissen über die Außenwelt auch nach Jahrtausenden auf eine Antwort, während wir im Alltag diese Problematik leicht zu verdrängen vermögen.

siehe hierzu:
Ricken, Friedo: Antike Skeptiker. München: C.H. Beck, 1994.
Philosophie der Skepsis. Hrsg. von Thomas Grundmann und Karsten Stüber. Paderborn: Schöningh, 1996.

Chris  Philosophie  2 Kommentare

Die Einsamkeit im Philosophen

Das Zitat von Hannah Arendt hat wohl nicht von ungefähr einige Missverständnisse nach sich gezogen; Tatsächlich unterstellt sie nicht jedem Philosophen Einsamkeit, wie manche es zunächst aufgefasst haben. Im Raum stand vielleicht die verbreitet Einschätzung, dass die Einsamkeit gleichsam zum Philosophen gehört. Aber ist dem tatsächlich so? Und falls ja, warum?
Ist Einsamkeit eine Bedingung für das Philosophieren?
Macht Philosophie einsam?

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Tom  Nachdenkliches  26 Kommentare