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Inschrift am Apollontempel zu Delphi

Γνώθι σεαυτόν.

Erkenne dich selbst.



Inschrift am Apollontempel zu Delphi und eine der drei apollonischen Weisheiten.

Chris  Zitat des Monats  3 Kommentare

Freundschaft in der Feindschaft

Gemeinhin sind die Begriffe Freundschaft und Feindschaft solche, die sich gegenseitig ausschliessen. Kaum würde jemand behaupten, sein Gegenüber wäre gleichzeitig Freund und Feind.

Doch auch in der erbittertsten Feindschaft schwingt leise die Freundschaft mit, während die Säbel rasseln. Denn wann wird ein Mensch zu meinem Feind? In dem Moment, in dem ich es ihm gestatte, in dem Moment, in welchem ich ihn als solchen anerkenne und anerkenne, dass er mich als solchen anerkennt. Welchen Menschen kann ich überhaupt als Feind anerkennen? Wohl nur den, dem ich gestatte, mich in Frage zu stellen.
Leise und unbemerkt verweilt eine Vorstufe der Freundschaft, in der Gemeinschaft derer, die sich gegenseitig gestatten sich in Frage zu stellen und sich gegenseitig als Feind anerkennen. Sie bilden in ihrer Feindschaft und ihrem Austausch eine Gemeinschaft, die noch nicht Freundschaft ist - und merken es nicht.

Womöglich sind die Begriffe von Freundschaft und Feindschaft doch nicht so trennscharf, wie sie auf den ersten, unbedachten Blick erscheinen.

nach Derrida, Jacques. Politik der Freundschaft. Frankfurt: Suhrkamp Verlag (2002): Kap. 6

Chris  Philosophie  5 Kommentare

Wie viel Toleranz ist eigentlich gesund?

Einer der spannendsten Bereiche der Soziologie ist die Soziologie des abweichenden Verhaltens oder auch der Devianz. Deviant verhält sich, wer Normen und Regeln nicht befolgt, die von einer Mehrheit der Gesellschaft anerkannt, eingehalten und durchgesetzt werden. Solches Verhalten wird sanktioniert, denn keine Gruppe kommt gänzlich ohne Regeln aus, auch kein Syndikat und keine Motorradgang. Im Fall von Gesetzen tut dies eine eigens dazu geschaffene Behörde: die Polizei; in weniger institutionalisierten Gruppen geschieht es normalerweise informell, also durch eine Rüge, ein Auslachen, ein Kopfschütteln.

Man könnte nun denken, dass die Mehrheit unserer Gesellschaft aus Konformisten besteht, die sich an die Spielregeln halten und denen eine Minderheit von Freibeutern und Verbrechern entgegensteht, doch so einfach ist es nicht: Niemand befolgt alle Normen und niemand bricht sie alle.
Man denke nur an den Straßenverkehr: Wer fährt schon immer völlig StVO-konform? Fast jeder fährt oft und gern ein wenig schneller als erlaubt, trotzdem fliegt kaum jemand mit hundert durch eine geschlossene Ortschaft. Selbst, wenn eine Regel gebrochen ist, ist man nicht frei davon; man zieht im Zweifelsfall eine neue Grenze, fährt 120 statt 100 und bremst brav beim Ortseingang.

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Tom  Nachdenkliches  5 Kommentare