Albert Schweitzer: Das Versagen der Philosophie

Eine Besonderheit an Albert Schweitzer ist wohl, dass zwar sein Name den meisten geläufig ist, dass einige noch wissen, dass er Arzt war und der eine oder die andere sich vielleicht erinnert, dass er den Friedensnobelpreis erhalten hat. Vor seinen philosophischen Arbeiten und Schriften wissen hingegen die wenigsten. Diese wurden auch durch die akademische Philosophie recht spärlich rezipiert, was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass Schweitzer ein unzeitgemäßer und unkonventioneller Denker war, der sich nicht leicht einordnen lässt.

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Dunkelraum ist zurück

Nachdem es in den vergangenen Monaten im Dunkelraum recht still geworden ist, da wir reichlich eingespannt waren, ist nun endlich wieder etwas mehr Zeit für die Arbeit am Blog!
Ab dem nächsten Sonntag erscheinen also wieder regelmäßig neue Artikel, Zitate und Denkanstöße und wir freuen uns auf angeregtes Philosophieren mit alten Bekannten und neuen Gästen…

Auf recht bald,
euer Dunkelraum-Team

Lebe stets so, als lebtest du zum zweiten Mal – und als hättest du beim ersten Mal so falsch gehandelt, wie du es gerade im Begriff bist zu tun.

Viktor E. Frankl: Über den kategorischen Imperativ der Logotherapie. In: Fehige, Ch./Meggle, G./Wessels, U. (Hg.): Der Sinn des Lebens. dtv München, S. 122.

Warum ist die Philosophie so kompliziert? Sie sollte doch ganz einfach sein. – Die Philosophie löst Knoten in unserem Denken auf, die wir unsinnigerweise hineingemacht haben; dazu muß sie aber ebenso komplizierte Bewegungen machen, wie diese Knoten sind. Obwohl also das Resultat der Philosophie einfach ist, kann es nicht ihre Methode sein, dazu zu gelangen.
Die Komplexität der Philosophie ist nicht die ihrer Materie, sondern, die unseres verknoteten Verstandes.
Ludwig Wittgenstein

in: Wittgenstein: Philosophische Bemerkungen. Werkausgabe Band.2. Hsrg. von Rush Rhees. Frankfurt: Suhrkamp (1984): S.52 [Hervorhebung i. Orig.]

Konflikt der modernen Kultur

Georg Simmel (*1858 Berlin, †1918 Straßburg) vertritt in seinem Aufsatz „Der Konflikt der modernen Kultur“ die These, dass das geistige Leben aufgrund seines eigenen Wesens sich immer schon mit seinen eigenen Erzeugnissen im Widerspruch befindet.
Geistiges Leben als Lebensprozess, als unmittelbare, an sich formlose Energie, kann nur in Erscheinung treten, indem es sich in unterschiedlichen, wie Simmel es nennt, Formen ausdrückt. Diese Erzeugnisse haben jedoch die Eigenschaft, vom Zeitpunkt ihres Entstehens an eine gewisse Selbständigkeit von der seelischen Dynamik, die sie erschuf, zu besitzen.
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Der vertrottelte Philosoph

Wer kennt es nicht, das stereotype Bild des Philosophen, der in der Gemeinschaft immer als ein Sonderling auffällt, weil er sich bei alltäglichen Verrichtungen zuweilen ungeschickt anstellt?
Dieses Bild des Philosophen ist keine Erfindung der Moderne. Schon der erste Philosoph (1) Thales von Milet war hiermit konfrontiert. Es ist überliefert, (2) dass er, während er astronomischen Betrachtungen nachging, in einen Brunnen fiel. Eine thrakische Magd verspottete ihn daraufhin, dass er nach dem Wissen des Himmels strebe, aber was direkt vor seinen Füßen läge (der Brunnen), ihm unbekannt bliebe.
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Wir wissen wo du wohnst!

Auf der aktuellen Titelseite der Wochenzeitung „Die Zeit“ warnt Susanne Gaschke vor dem „Google-Wahn“ (1). Die Möglichkeiten, die Google seinen Nutzern bietet, können jeden betreffen, eben auch Nichtnutzer. Beispielsweise wenn wir bei Google Street View zu sehen sind. Besonders aufmerken lässt aber das neueste Google-Produkt von dem Gaschke berichtet: Das internetfähige Handy Nexus One. Dieses Handy enthalte das Programm „Goggles“, das bereits heute in der Lage sei, Gesichter auf mit dem Handy geschossenen Fotos durch biometrische Bildersuche via Internet zu erkennen. Vorausgesetzt, es gibt von der betreffenden Person irgendwo im Internet bereits Fotos. Momentan ist diese Funktion im Google Handy noch deaktiviert bis datenschutzrechtliche Probleme ausgeräumt seien. Aber was dann?
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Was ist Wahrheit?

Was ist Wahrheit und wie lässt sie sich erkennen? Wie verschlingt sie sich in dem unlösbaren Gewirr von Theorie und Praxis, die beide dialektisch auf einander bezogene Gegensätze und einander konstituierende Voraussetzungen sind? Wenn Theorie Reflexion ist, so bleibt jede Praxis blind und hilflos ohne sie. Aber woher nimmt die Reflexion, nimmt das Denken überhaupt seine Begriffe, wenn nicht aus dem Leben? Das Denken beginnt nicht erst in der Berührung mit der Wissenschaft.
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Massenkompatibel?

In seiner im Jahre 1950 veröffentlichten und berühmt gewordenen Studie „The Lonely Crowd“ befasst sich der Kultursoziologe David Riesman mit dem Verhalten des modernen Menschen. Darin legt Riesman einige Ergebnisse dar, die eine Menge Fragen aufwerfen – nach unserem Handeln und den Gründen unseres Handels als Individuum und als Teil einer Gesellschaft.
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Kein größerer Schmerz,
als sich erinnern glücklich heiterer Zeit
im Unglück.

Alighieri, Dante: La divina commedia. V, 121-123. ital.: Nessun maggior dolore // che ricordarsi del tempo felice // ne la miseria.