Kaum jemand wird die Auffassung vertreten, dass die Welt gut sei, so wie sie ist. Wer könnte es in Anbracht des vielen Leides? Menschen, die dieses Leid nicht mehr schweigend ertragen wollen, machen sich daran die Welt zu verändern. Viele von ihnen nehmen übermenschliche Anstrengungen auf sich, um irgendwann festzustellen, dass sich trotz aller Mühsal und sozialem Engagement die Welt sich nicht verändert hat; aber hat sie das wirklich nicht?

Wir sehen nur die unmittelbaren Auswirkungen unserer Taten, aber kaum welche wunderschönen Blüten sie später treiben, in der nächsten Stunde, am nächsten Tag oder im kommenden Jahr. Eine erwiesene gute Tat wirkt fort und über die Tat hinaus, vielleicht wird sich jener Mensch, dem sie erwiesen wurde, eines Tages daran erinnern und selbst uneigennützig anderen Menschen helfen. Vielleicht werden einige von jenen, welchen er half, sich wiederum an die Tat entsinnen, welche ihnen erwiesen wurde, und ihrerseits beginnen anderen Menschen zu helfen, wenn sich ihnen die passende Gelgenheit bietet.

Unsere Tat ist gleichzeitg ein Samen, welchen wir in die Menschen säen und selbst wenn unsere Samen kaum auf fruchtbaren Boden fallen sollten, hin und wieder werden sie es, und so auch lange nach unserer Tat die Welt verändern, ohne dass wir wissen, dass wir es waren, die diesen Stein ins Rollen brachten.

Es sind die Samen, die wir säen, die diese Welt verändern.

15 Antworten auf „“

  1. 🙂 schön gesagt!
    kleines beispiel: ich habe lange jahre im verkauf gejobbt. und nicht selten sind menschen hereingekommen, die echt einen schlechten tag hatten. traurig, aggressiv waren oder einfach nur gestresst. und zu diesen menschen war ich oft besonders freundlich. zurückhaltend freundlich mit einem ehrlichen lächeln von herzen. und in den meisten fällen kommt das an und es hat mich so gefreut, wenn diese menschen den laden mit einem lächeln und ein wenig leichter verlassen haben!
    wer weiß, wie sich das weiter fortgepflanzt hat? ein schöner gedanke.
    und das ist nur eine kleinigkeit.

  2. Es ist ein schöner Gedanke und ein tröstlicher dazu.

    Aber doch wohl auch nicht unproblematisch; man könnte ankreiden, dass, wenn die positiven Impulse sich fortsetzen, sich die negativen ebenso verhalten.
    Oft reicht schon die Begegnung mit einem Menschen, der einem unerwartet freundlich oder hilfsbereit entgegentritt, um dazu anzustiften, es ihm gleich zu tun;
    doch ebenso unwillkürlich trägt man es weiter, wenn einem ein Ellenbogengesellschftler zu viel auf die eine oder andere Weise die Vorfahrt nimmt.

    Die postiven Begengungen oder Impulse haben in diesen Tagen wohl den "Gibt’s also doch noch"-Bonus, der dafür sorgt, dass wir ihnen mehr Beachtung schenken. Das jedoch ist schon mal ein guter Ansatz, denn es trägt kaum zum Wohlbefinden bei, nur die roten Ampeln zu bemerken, weil man an den grünen einfach vorbeifahren kann, sich also weniger mit ihnen beschäftigen muss (wie Watzlawick in der "Anleitung zum Unglücklichsein" schon bemerkt hat).

    Vielleicht, und das hoffe ich, haben die guten Taten eine länger andauernde Wirkung, weil sie (noch) eine Besonderheit sind.

    Bis sich das ändert ist es bei aller Liebe zum Zweifel sicherlich einer der besten Ansätze, duch Türaufhalten, Trotzdem-freundlich-bleiben und Kinderwagen-in-die-Straßenbahn-heben noch ein paar Leute auf die gute Seite zu ziehen.

  3. In einer Art und Weise, kenn ich das "Impulse senden" und "Taten tun mit Konsequenzen" auch bei mir selbst, wenn ich mich selber bescheisse.

    Sich am Abend aus einer besonderen Laune heraus einzureden, dass der nächste Tag ganz bestimmt toll wird und voll von schönen Überraschungen gewesen sein wird, hat ebenso oft Früchte getragen, wie mir selbst vorzuspielen, das dies der schlechteste Tag auf der Welt in meinem Leben ist. Diese beiden jeweils einander ausschließenden Perspektiven willentlich zu ändern oder eine solche Änderung bei mir herbei zu führen, das nenne ich die Kunst der Selbstbeherrschung, die als normatives Ideal in allen Situationen angewand werden kann.

    Gepaart mit der Erkenntnis um die Situation, d.h. eine Sitautionsdefinition, entspinnt sich der langanhaltende Kampf mit eines selbst mit sich selbst, um ein der Situation entsrechendes adäquates Verhalten. Diese situative Adäquatheit ist zunächst ganz frei von Kriterien der guten oder schlechten Laune, der Erreichung eines Ziels, der Vernunft oder von dem kulturellen, historischen oder sozialen Gepräge. Sie ist der neutrale Standpunkt eines autonomen Individuums, das sich selbst eine Identität vorspielt, die mit sich selbst keine identische ist. Anders gesagt diese nach situativer Adäquatheit ringende Identität ist der widersprüchliche Kampf des Denkens mit sich selbst um die Vorherrschaft im Denken.

    Und dabei könnte doch alles so einfach sein. Meint ihr nicht auch?

  4. Ich denke nicht, dass diese kleinen Impulse, ob negativ oder positiv, die Welt verändern können. Sie können Menschen verändern, also dich, wenn du deine Welt als die Welt ansiehst, kann man von veränderung der Welt sprechen.
    Das ist nicht sarkastisch gemeint, denn es ist ja nicht wirklich eindeutig, was jetzt wirklich "Die Welt da draußen" ist, das ist eins der Philosophischen Probleme, die wohl nie gelöst werden können.
    Die Welt, nicht subjektiv gesehen, hätte sich aber schon längst geändert, denn die Rede von den positiven bzw. negativen Vorbildern ist wohl so alt wie das Denken des Menschen. Und hat sich etwas verändert? Ich denke nicht.
    Man kann natürlich sagen, früher war es besser, oder schlechter, dann hätte sich was verändert, global gesehen, haben wir Veränderung aber nicht.
    Leiden verschiebt sich in der heutigen globalisierten Welt nur anders, wird aber nicht kleiner.

  5. zu loewenzahn: Du scheinst die Erfahrung gemacht zu haben, dass dergleichen auch das eigene Wohlbefinden zu fördern vermag, mir geht es da ähnlich.

    zu Tom: Ich denke nicht, dass man hier versuchen kann die Arithmetik zu Hilfe zu nehmen und ich stimme Dir natürlich zu, wenn Du anführst, dass diese Regel auch für das Üble gelten muss, das schwingt ganz deutlich mit, dennoch ändert es nichts bzw. macht es erst wirklich notwendig zu bedenken, welche Samen man unter die Menschen sät. Irgendwie denke ich, dass wir uns in dieser Debatte einig sein dürften.

    zu soeren: Mutige Behauptungen, folgt daraus, dass das obige Handeln vergebens ist? Können wir denn wirklich das Leid umrechnen und damals und heute einander aufrechnen?
    Ich stimme dir aber zu, hinter der obigen Ausführung steht die große anthropologische Frage nach dem Wesen des Menschen. Soltlen wir uns, da die Frage nach wie vor offen ist, fatalistisch verhalten oder Anstrengung und Mühe auf uns nehmen in der Hoffnung, dass die Frage positiv entschieden werden kann? Eins ist sicher, verhalten wir uns fatalistisch ist sie – vorerst – entschieden.

  6. Im Duden (zumindest in meiner Ausgabe) finden sich 4 verschiedene Bedeutungen für das Wort "Welt". Es ist also aus euren Kommentaren nicht absolut ersichtlich von welcher "Welt" die Rede ist.
    Aber eines haben alle Definitionen des Begriffs gemeinsam, "wir" sind immer ein Teil der Welt. Die Frage ob sich etwas an der Welt ändert wenn man etwas tut ist also überflüssig.
    Wenn wir uns verändern/anders Handeln, verändert sich die Welt mit uns. Unsere Aufgabe besteht nur darin zu entscheiden in welche Richtung sie sich verändern soll, gut oder schlecht, beides ist möglich, es liegt in der Hand jedes Einzelnen sich jeden Tag aufs neue zu entscheiden.

  7. @Schlendrian, ich denke nicht das diese Frage überflüssig ist, nur mal kurz, die Welt kann auch ganz gut ohne Menschen auskommen. Was ich sagen will; so einfach ist das eben nicht.
    @Chris, nein fatalistisch sollten wir natürlich nicht handeln, aber nur Hoffnung und einzelne gute Taten helfen eben nicht weiter, das meinte ich mit, gibts schon lange, hat nichts gebracht.
    Natürlich muss etwas geändert werden, natürlich müssen Menschen etwas ändern, wer auch sonst, Gott hat ja schon ne weile nicht mehr eingegriffen, aber ich will eigentlich nur ausdrücken, Hoffnung ist mir zu wenig.
    Ohne einen wirklichen Systemwechsel, nein ich spreche nicht von irgendwelchen Antiglobalisierungsparolen oder ähnlichem, nein ich meine das generelle System des Zusammenlebens der Menschen, irgendwo sind da ganz gewaltige Fehler, wenn so eine Welt, wie wir sie heute haben, entstehen konnte.
    Ich will also anregen weiter zu denken und nicht in stummer, wenn auch guter, Hoffnung zu stagnieren.
    Es muss was geändert werden und dafür reicht es eben nicht aus, nur sich selbst zu ändern, das ist meine Meinung.
    P.S.: @Chris: Auf meiner Seite hab ich nen Text, mit der Frage ob man Armut(Leiden) aufrechnen kann, nein ich denke nicht, muss falsch rübergekommen sein. Lies ihn dir doch mal durch, ist auch nicht so lang, Name: Was ist eigentlich Armut.

  8. Ich wüsste gern, wie eine Welt aussieht, die ohne Menschen auskommt – nur leider können wir darüber nichts aussagen; unsere Welt ist eben das System (ein Bedeutungsystem, ein Beziehungssystem usw.), das Soeren ändern will.

    Ich sehe das genauso: Es gibt vieles, das zu ändern wäre und viele Ansatzpunkte. Wer keine Hoffnung hat, dass noch etwas zu retten ist, dass überhaupt eine Wendung zum Besseren möglich ist, tut nichts. Wenn nach dem Hoffen nichts mehr kommt, keine Tat, keine Umsetzung herer Ideale, dann ist wenig gewonnen, das stimmt.
    Aber während NGOs wie z.B. Amnesty International oder Greenpeace sich dafür einsetzen, das Makrosystem in Richtung ihrer Vorstellungen zu verändern, halte ich die Idee als Individuum sein Umfeld mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu bessern, nicht für falsch.
    Ist das kein Engagement, keine Umsetzung der Hoffnung?

    Das Problem ist ja gerade, dass Veränderungen schon auf der Ebene von Organisationen, Firmen oder Schulen zum Beispiel, lange dauern und schwierig sind. Vorstellungen unterscheiden sich, prallen aufeinander und blockieren sich gegenseitig.
    Das heißt nicht, dass man es gleich lassen sollte, aber man muss sich klar machen, dass soziale Gebilde immer träge sind und im Zweifelsfall eher bewahren als verändern "wollen". Eine gesamte Gesellschaft, ob in den Grenzen eines Territorialstaates, eines politischen Raums wie z.B. der EU, oder gar die Weltgesellschaft ist noch weit schwerer zu bewegen oder zu lenken.

    long story short: Auf der Mikroebene Veränderungen herbeiführen zu wollen ist vielleicht unbefriedigend und man sieht die Folgen nicht ohne weiteres. Man kann sich ihrer nicht einmal sicher sein, aber es ist die Ebene, auf der man als Individuum unmittelbar handeln k a n n .
    Weiterdenken tut Not und Engagement bei A.I. oder Greenpeace wird durch o.g. Betätigung sicher nicht überflüsig, aber es ist ein Ansatzpunkt in einer Welt voller Mißstände und edler Ideale.

  9. @Tom: Du hast es auf den Punkt gebracht! Ich will ja nicht persönliches gutes Handeln verneinen, im Gegenteil, das muss die Basis sein, aber ich denke eben auch, um "Die Welt" zu verändern muss ein wirklich anderes System her. Und ja, es ist nur denkbar in einem Weltstaat, durch den z. B. Regeln für alle erstellt werden können, nicht um Gleichheit herbeizuführen, sondern um Chancen aller zu erhöhen, bzw. für Millionen Menschen überhaupt erst Möglich zu machen, daran denke ich wird aber in unserer Zeit, in jeder Zeit?, zu wenig gearbeitet. Es wird eben zu Makro gedacht, dabei ist es egal ob es um Deutschland oder Europa geht, hier kann man etwas ändern, aber das verschiebt die Ungerechtigkeit eben nur nach außen, löst sie aber nicht.
    Also globale Philosophie, soweit Möglich, denn wir können ja immer nur aus unserem, hier europäischen, Grundlagen heraus denken, diese ist gefordert. Denn auch wenn wir Philosophen in der heutigen zeit als so unbrauchbar dargestellt werden, wer sollte über Weltgerechtigkeit nachdenken, wenn nicht wir.
    Und ja, dafür braucht es auch eine ganz gehörige Portion Hoffnung.

  10. Ich bin auch der Meinung, dass man nur seine "eigene" Welt verändern kann. Das ersteinmal zu schaffen, bedarf oft an großer Anstrengung. Durch eine veränderte Sichtweise kann sich deine ganze Wahrnehmung bzgl. dir und deiner Umwelt um 180 Grad drehen. Die Welt sozusagen mit "anderen Augen" sehen.
    Wenn jeder bei sich anfangen würde, wäre es schon ein großer Schritt irgendwo "gemeinsam" die Welt zu verändern.

  11. Ein Mensch aus dem Jahr 1850 würde die heutige Welt aus seiner damaligen sicht wohl mir Recht als "Utopia" bezeichnen. Es hat also durchaus beachtlicher Verbesserungen gegeben, auch wenn wir diese nicht sofort erkennen weil sie für unser kurzfristiges empfinden zu langsam von statten gehen.

  12. Ich glaube:

    Wir verändern diese Welt, wenn wir unsere Weltanschauung ändern.
    Wenn wir glauben, wir müssen alles verantworten, was wir getan haben,
    weil wir eine Seele haben, die unsterblich ist und wir uns alle wieder
    begegnen, wenn wir gestorben sind und unser Gewissen unsere Seele
    so geformt hat, dass jeder sofort sehen kann, was sie als Mensch getan
    hat, dann müssen wir alles verantworten, was wir getan haben.
    Wenn uns der „Liebe Gott“ dann gewähren lässt, wie hier auf der Erde,
    dann wird das „Böse böser“ als wir es uns vorstellen können und das
    „Gute schöner“, als wir es uns wünschen!

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