Eine kleine Philosophie der Liebe

Das Gefühl der Liebe verändert den Menschen, doch vermag sie wirklich ihn zu bessern?
Im platonischen Dialog Symposion tritt der Grieche Phaidros auf und bekennt, dass die Liebe der Beweggrund für tugendhafte Handlungen ist. Die Liebe lässt den Menschen über sich hinauswachsen, vor dem Angesicht der/des Geliebten wird man sich stets um Mut und Tapferkeit bemühen, statt von Scham gezeichnet sich der Feigheit anheim zu geben. Damit jedoch nicht genug, die Liebe erst ist es, die es vermag Menschen füreinander sterben zu lassen und es so ermöglicht, dem anderen das größtmögliche selbstlose Geschenk zu erbringen.
Doch wie selbstlos ist die Liebe? Viele hundert Jahre später schreibt Friedrich Nietzsche, dass Liebe und Habsucht erschreckend gleich sind. Statt der Tugend, steht hier die Gier nach Eigentum: „Der Liebende will den unbedingten Alleinbesitz der von ihm ersehnten Person, er will eine ebenso unbedingte Macht über Ihre Seele wie ihren Leib, er will alleine geliebt sein und als das Höchste und Begehrenswerteste in der anderen Seele wohnen und herrschen.“
Wer könnte leugnen, dass er, von Liebe beseelt, keineswegs bereit ist die geliebte Person mit jemand anderem zu teilen? Und ist es nicht dies, was Nietzsche anprangert? Stimmt man ihm zumindest ein wenig zu, so folgt daraus, dass vermeintlich tugendhafte Taten aus eben jener Habsucht entspringen – und wie tugendhaft und gut vermag eine Handlung noch zu sein, wenn ihre Motivation der niedere Trieb der Habsucht ist?

Platon. Symposion. 178a-180b
Nietzsche, Friedrich. Die fröhliche Wissenschaft. §14

18 Antworten auf „Eine kleine Philosophie der Liebe“

  1. Besitzanspruch und Liebe passen nicht zusammen, dann ist es mit Sicherheit keine Liebe, sondern etwas das als Liebe ausgegeben wird.

    Liebe ist eine Macht, die Veränderungen etc. bewirken kann, die Grenzen setzen, ggf. sogar "Gewalt" anwenden muss, etwa wenn Kinder mit körperlicher Gewalt daran gehinder werden müssen, auf die Straße zu laufen. Liebe hat daher mit Verantwortung für einen anderen zu tun, aber nichts mit Besitzdenken.

  2. zu mona lisa: Es gibt viele Schriften zur Liebe, dessen bin ich mir gewahr, keine Sorge. Dennoch ist deine Definition ist nichts als ein Statement, oder? 🙂 Du sagst Habsucht und Liebe passen in deinem Kopf nicht zusammen und doch vermagst Du die obige Definition Nietzsches nicht zu widerlegen, denn nach wie vor ist es irritierend, dass alle Liebestaten auch durch das Glas der Habsucht gesehen werden können (also dass sie der Beförderung der Habsucht, des sog. Liebesgewinns, dienen). Selbst in der vermeintlich selbstlosen Aufgabe der Liebe, dem "freigeben" des Partners kann, wer will, ein habsüchtiges Kalkül sehen.
    Das macht nachdenklich, auch wenn wir den Gedanken nicht mögen und ihn gerne verneinen würden, er lässt sich nicht einfach beiseite schieben, nur weil wir Liebe nicht so sehen wollen – vielleicht müssen wir uns eines Tages eingestehen, dass Liebe und Habsucht verbandelt sein könnten. Vielleicht.

    Ich möchte an dieser Stelle mich richtig verstanden wissen, ich sage nicht, dass Liebe so sei, jedoch halte ich die Frage berechtigt, ob allgemein jene Liebe wirklich so selbstlos ist, wie wir sie gerne sehen und unter welchen Bedingungen selbstlose Liebe realisiert werden kann. Nietzsches Antwort jedenfalls ist eindeutig: Der rechte Name selbstloser Liebe ist Freundschaft und hat nichts mit der habsüchtigen Liebe zwischen den Geschlechtern gemein.

  3. Sorry, ich sorge mich nicht, der Hinweis auf das Buch sollte keine Belehrung sein.

    Das, was du von Nietsche schreibst ist m.E. keine Defintion, sondern eine Beobachtung.

    Liebe ist nicht selbstlos, ohne ein Selbst ist Liebe nicht möglich.
    Eine Liebestat aus Habsucht, Besitzgier ist nicht Liebe, sondern eine Form von Herrschaft, die das Mäntelchen von Liebe trägt.

  4. …und warum teilen wir dann nicht? Warum wollen wir alleine geliebt werden und dulden keinen Mann (respektive keine Frau) neben uns?
    Was wäre verloren, wären wir nicht die einzigen Empfänger der Liebe, die wir lieben?

    Ich gebe zu, Nietzsches These wirkt provokant, aber gerade das macht sie interessant, da sie (zurecht?) alte Strukturen des Denkens aufwühlt.

  5. Ich denke auch mit einfachen Statements ist Nietzsche nicht zu begegnen. allerdings auch nicht mit knallharter logig. Denn so ein brillianter Kritiker er gewesen ist, so wenig hat er seine Kritik an seinen eigenen Schriften erprobt. Denn sein Wille zur Macht, dem die Habgier eine Form darstellt, ist genauso wenig zu beweisen, wie die Liebe als die satrke Kraft des universums, wie es das Christentum gesetzt hat. Nietzsche hat dem eine Kraft, den Willen zur Macht, entgegengesetzt. Wirklich begründet ist so ganusowenig wie die Liebe. Aber er hat damit ein bis dahin nicht angegriffenes Traumschloss eingerissen, was dem Denken wieder viel mehr Freiraum eingeräumt haben. Ich denke, dieser Verdienst sollte ihm hoch angerechnet werden.

    Ob sein Wille zur Macht die liebe allerdings ausschließt, da bin ich mir nicht so sicher. Denn der Wille zur Macht, mit all seinen Auswüchsen soll ja nur einem dienen, der bildung des Übermenschen, aber ob der dann liebt oder nicht, darüber sagt Nietzsche niechts, denn dieser Mensch ist hypothetisch/utopisch. Dieser aber wäre nicht mehr an den Willen zur Macht gebunden. ob das dann allerdings heißt, er kann selbstlos lieben?

    Lasse ich mal so stehen.

  6. Hallo Soeren, Nietzsche spricht ebenso wie vom kommenden Übermenschen, wie auch von der Freundschaft, die da kommen wird.
    Genau hierin liegt Nietzsches Punkt, die Geschlechterliebe ist mit der Habsucht verbandelt, die Freundschaft (auch eine Liebe) nicht.

  7. Die Diskussion wird bisher so geführt, dass die Liebe nur eines von zwei Extremen sein kann. Entweder sie ist die wahre Liebe und dann gemäß unseren Idealen vollkommen selbstlos, oder sie ist lediglich die maskierte Habgier, die immer dann erkannt werden kann, wenn die wahre, selbstlose Liebe nicht verwirklicht wurde.

    Ich weiß, dieses Argument ist jetzt sehr angreifbar, aber der Mensch ist mit moralischen Idealen nie identisch, kann es nicht sein. Und die Liebe ist ein zutiefst menschliches Gefühl. Wenn wir unser wirklich existentes, menschliches Erleben von Liebe an dem abstrakten moralischen Ideal der wahren Liebe messen wollen, so muss unser Erleben immer am Ideal scheitern. Und wenn die reale, menschliche Nichterfüllung des Ideals gleich als Beweis dafür gewertet wird, dass das andere Extrem, nämlich die verdeckte Habgier, vorliegt, ja, dann ist Nietzsche nicht widerlegbar.

    Aber auch die Freundschaft, die selbstlose Liebe geben kann, wird nicht so oft in ihrem Ideal verwirklicht, wie es vielleicht wünschenswert wäre. Wieso wird sie hier dann nicht las Habgier entlarvt?
    Ich stelle mir vor: Eine Liebe, die vom Anderen nichts verlangt, die völlig frei von Habgier ist. Was möchte sie? Oder besser: Was macht diese Liebe aus? Diese Frage kommt mir dann für die romantische Liebe und für die freundschaftliche gleichermaßen.

    Ich muss zugeben, dass in meiner persönlichen Definition von Liebe, essentiell etwas zu finden ist, das man als Habgier bezeichnen kann, wenn man will. Es ist eine zutiefst menschliche Definition, eher Beschreibung meines Erlebens: Wenn ich liebe, möchte ich, dass es dem Anderen gut geht, möchte bei ihm sein und seine Nähe genießen.

  8. …und ihn nicht teilen.

    Hierin liegt eben der Widerspruch zwischen der exklusiven Beziehung der Geschlechterliebe und der offenen und freien Liebe unter Freunden. Auch unter Freunden kann es Habgier geben, führt ein Freund ein Besitzanspruch auf die Freundschaft des anderen, versucht er ihn habgierig an sich zu binden, so lehrt uns die Erfahrung, dass die Freundschaft alsbald endet. Interessant an der Tatsache ist aber vielmehr, dass es in der Freundschaft unmittelbar auffällt wenn ein Besitzanspruch und Habgier entsteht, es aber unter den Geschlechtern als vollkommen unproblematisch hingenommen wird.
    Wäre im Ideal der Geschlechterliebe eben dieses Verhalten der Kritik unterworfen, so wäre zumindest ein Bewusstsein des Problems zwischen den Liebenden vorhanden und wenngleich sie nicht so recht aus ihrer Haut könnten, würden sie sich dennoch darum bemühen möglichst wenig Habgier walten zu lassen (Habgier hier immer noch verstanden als Wunsch alleine geliebt zu werden und den Partner nicht mit anderen Partnern teilen zu müssen). Jedoch ist sogar das genaue Gegenteil der Fall, Habgier wird gefordert: "Er/Sie ist gar nicht eifersüchtig….". Mangelnde Habgier macht hier verdächtig.
    Vielleicht ist die Habgier in diesem Zusammenhang nicht einmal so schlimm wie uns ihr Name glauben machen möchte, aber das wir ihr Motiv in der Geschlechterliebe zumeist nicht erkennen und einfach hinnehmen, wo wir es doch sonst überall verurteilen, ist zumindest bedenklich.

  9. liebe ist anstrengend , mann kann falsch lieben , mann kann daran zugrunde gehen , mann kann stärken und gestärkt werden schützen und beschützt werden , liebe verändert , mann kann in ein tiefes loch fallen , der mensch brauch die liebe ist sie dann noch selbstlos ???? ich liebe meine freundin und sie liebt mich , ich brauche sie wie sie mich , ich liebe unsere kleine und sie brauch diese liebe wenn mann nicht geliebt wirt verbittert mann und mann ist nicht mann selbst , wenn mann liebe erfährt kann mann ein held sien , wenn man zu wenig erfärt – erfahren nhat kann mann egoist sein und brauch mehr davon um gesättigt zu sein es ist ein gefühl der extreme,

  10. Liebe ist für mich Leidenschaft. Es ist was sehr schönes wenn es auch gegenseitig ist . Es lässt einen leiden wenn es nur einseitig ist. Ich finde die Menschen die sich wirklich lieben sollten ein Wert drauflegen. So etwas findet man nicht immer !!

  11. Liebe ist dann Liebe wenn sie einen über sich selbst erhebt, wenn das Glück des Geliebten über dem eigenen Glück steht.
    Liebe ist es wenn man Freiheit gibt, Verzicht übt und nichts fordert.
    Das Gefühl zu lieben ist Belohnung genug.
    Eine chinesische Weisheit:
    Lasse frei was du liebst, kehrt es zu dir zurück, so ist es auf immer dein!

  12. In dem Moment, da ein Mensch die Liebe ergreifen will, sei es im Diskurs oder in der situativen Anspruchshaltung des Begehrens nach ihr, geht sie für ihn verloren. Sie entzieht sich unserer Willenskraft, da sie über den Willen nicht zu erzeugen noch festzuhalten ist.
    Dieses Phänomen ist ein Vermögen eigener Kraft, das jeder immer nur mit seiner ganzen Existenz erfahren kann mit allen ihren Ausdrucksweisen in die Welt, aber immer auf dem Boden des Freiseins. Wir "empfangen" sie, wenn wir am wenigsten mit ihr rechnen. Ihr Prinzip ist das Alles-oder-Nichts. Ist man von ihr umfangen, so umfängt sie alles, was in der Existenz liegt, – auch dasjenige, wovon wir (noch) kein Wissen haben, was aber im Mitsein gegeben ist, im Co-esse. Wächst sie mir zu, so einigt sie mich mit meinem Wesensgrund. Dies nenne ich Glückseligkeit.

  13. Liebe, die nur den einen als Liebling unter allen ausgewählt hat, könnte man als Fähigkeit titulieren. Etwas dass vielleicht naürlich ist, ist in unserer von scheisse gepunshten und verpolten Welt nicht natürlich. Deshalb geben wir uns manchmal mit etwas zufrieden/sind mit etwas glücklich, das wir gut und gerne als aussergewöhnlich und rätselhaft empfinden und als Liebe ansehen. Wir fragen uns, woher kommt es, dass ich Treue als Frage empfinde? Bestenfalls gehen wir unseren Unsicherheiten und Fragen nach, anstatt etwas dogmatisch zu verdammen oder uns einer idealvorstellung zu unterwerfen.
    Ich weiß nicht ob jeder das Glück hatte seinen Lieblingspartner zu finden. Aber wenn er es hatte und ihn verlieren musste, auch aus eigener entscheidung und gar freiwillig ohne reue, so wird er die antwort auf die frage nach treue in dieser erfahrung und diesem gefühl wiederfinden.
    Meistens haben wir es aber vergessen….
    Ich sah Dich dort und musste Dich haben auch andere brauchten dich und du konntest dich nicht wehren, doch bei mir hattest du es am besten denn ich liebte dich am meisten, unsere ängste wurden durch unseren mut besiegt denn wir kannten uns und unser herzschlag war aufeinander eingestellt.
    lieben ist ein ständiger austasch ein ständiges erleben von zweiamkeit als eins. es ist mit vielen worten zu beschreiben und klingt für den der sie nicht erleb hat als kitschig udn angreifbar. der der das gefühl kennt, weiß dass jede notwendige bedingung nur ein tropfen in einem ozean ist der sich ständig füllt.

  14. Oh bitte in der Philosophie kannst du doch nicht mit Gott ankommen!
    Das ist Dogmatismus.

    Und zur Liebe selbst:
    Die vollkommene Liebe /wahre Liebe kann man nicht erreichen. Nie. Die Liebe ist ein ständiger Prozess und das Ziel dieses Prozesses ist es die Vollkommenheit zu erreichen. Und ich finde Liebe ist nur Liebe, wenn sie selbstlos ist, denn wenn man liebt, weil man zB geliebt werden will, dann ist es einfach keine wirkliche Liebe, weil man die vermeindlich geliebte Person nur liebt, um geliebt zu werden.Deine Liebe soll quasi den Zweck erfüllen jemanden zu finden, der dich liebt. Aber wenn man wirklich liebt ist es egal, ob die Liebe erwidert wird oder nicht. Somit ist für mich bewiesen, dass wirkliche Liebe rein gar nichts mit Habsucht zu tun hat. Denn wenn du selbstlos bist kann du nicht habgierig sein. Wenn du zB weißt, dass die person, die du über alle Maße liebst, glücklich mit einer anderen Person ist, dass sie diese Person wirklich liebt und dass sie auch zurückgeliebt wird, dann bist du doch nicht habgierig und zerstörst dieses Glück nur damit du glücklich bist und wenn doch liebst du nicht, dann sind es Reize, die ‚deine‘ Person besitzt, die dich anziehen.
    Und Eifersucht ist kein Zeichen von Liebe. Sie ist viel mehr Angst als alles andere. Angst das Glück zu verlieren und nur Schmerz zu spüren und weil man die Gewissheit hat, dass man zurückgeliebt wird und dass beide dieses Glück verspüren, ist sie da.
    Aber Liebe ist auch so viel mehr als nur diese leidenschaftliche Liebe. Liebe ist Freundschaft,Familie und Leidenschaft. Nicht mehr nicht weniger. Der Kern derLiebe ist immer gleich nur das Äußere ist wandelbar. Heißt deinen Partner liebst du anders als deine beste Freundin oder deine Familie nicht intensiver und auch nicht besser nur anders.

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