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Sokrates nach seinem Todesurteil

Jedoch, es ist Zeit, daß wir gehen, ich, um zu sterben, und ihr, um zu leben. Wer aber von uns beiden zu dem besseren Geschäft hingehe, das ist allen verborgen außer nur Gott.



Platon: Apologia Sokratous. 42a (Übers. v. Friedrich Schleiermacher)

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Nach was sollen wir streben?

Die Menschen verfallen im Laufe des Lebens auf etwas, dass sie für ein Gut halten, nach dem es sich zu streben lohnt. Aber ist dieses Gut wirklich gut für den Menschen? Die Antwort des pyrrhonischen Skeptikers ist eindeutig: Sofern ein Mensch etwas für ein Gut hält, wird dieses vermeintliche Gut ein ewiger Quell der Beunruhigung für den Menschen sein. Hat er es nicht, muss er ihm hinterherjagen, hat er es aber erreicht, so kehrt keine innere Ruhe ein, sondern es kommt die Furcht vor dem Verlust des vermeintlichen Gutes auf. Das erstrebte Gut ist folglich kein Gut, sondern schädlich, da es anstatt Ruhe nichts als Beunruhigung in das Leben bringt.
Man kann dies am Beispiel des Geldes einfach veranschaulichen: Hält jemand Geld für ein Gut, nach dem es sich zu streben lohnt, so wird er nicht glücklich werden können, solange er das Gut nicht besitzt; hat er es aber erlangt, so stellt sich keine Ruhe ein, sondern die Sorge vor dem Verlust des Geldes, vor dem Zurückfallen in die Armut, dominiert das Denken. Der Reichtum muss geschützt, verwaltet und bewahrt werden.
Man täte also in den Augen des Skeptikers gut daran, nichts fälschlicherweise als ein Gut zu setzen. Dann bliebe einem so einige Beunruhigung im Leben erspart.


Sextus Empiricus: Grundriss der pyrrhonischen Skepsis. I, 27

Chris  Philosophie  6 Kommentare

Eine Rebellion gegen die Vernunft?

In seiner Erzählung "The Imp of the Perverse" (etwa: Der Kobold des Abnormen) schildert Edgar Allan Poe einen Impuls, eine Neigung, das Falsche zu tun, weil es das Falsche ist. Dieser Drang, den Poe the perverse nennt, entbehrt nicht nur jeder sinnhaften Grundlage, er ist allen Selbsterhaltungstrieben und den Wunsch nach Glück und Wohlergehen diametral entgegengesetzt.
Poe nennt einige Beispiele, um das Auftreten dieses Impulses, etwa den unwiderstehlichen Drang eines Redners, seine Zuhörer durch sein Ausschweifen wissentlich zu langweilen oder eine dringende Aufgabe aufzuschieben, einen wichtigen Termin verstreichen zu lassen – und fasst es zusammen in dem unwiderstehlichen Wunsch, sich in einen Abgrund zu stürzen, an dessen Rand man steht.

Den meisten wird dieses Verhalten mehr oder minder vertraut vorkommen, aber wie erklärt man ein Phänomen, das keinerlei Sinn aufweist, das jeder Vernunft entbehrt und sich nicht als Aufbegehren gegen eine äußere Moral begreifen lässt, sondern sich direkt gegen den eigenen Selbsterhaltungstrieb richtet?

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Tom  Nachdenkliches  10 Kommentare