Gummigeschosse und Bildungsentzug gegen gewaltbereite Demonstranten?

Im Nachgang der Großdemonstration in Hamburg hat der CDU Abgeordnete Karl-Heinz Warnholz laut der Hamburger Morgenpost (1) verschiedene Forderungen aufgestellt, um gewaltbereiten Demonstranten zu begegnen, so unter anderem die Einführung von Gummigeschossen und als alterantive Strafen der Entzug der Fahrerlaubnis oder ein erschwerter Zugang zum Abitur oder Hochschulabschluss. Im Folgenden sollen diese Forderungen näher betrachtet werden.
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Schopenhauer über die Rückschau

Wie der Wanderer erst, wann er auf einer Höhe angekommen ist, den zurückgelegten Weg mit allen seinen Wendungen und Krümmungen im Zusammenhange überblickt und erkennt; so erkennen wir erst am Ende einer Periode unseres Lebens oder gar des ganzen den wahren Zusammenhang unserer Taten, Leistungen und Werke, die genauen Konsequenzen und Verkettungen, ja auch den Wert derselben.

Arthur Schopenhauer: Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5. Par�nesen und Maximen – B. Unser Verhalten gegen uns selbst.

Ohne Aktualisierung der Rechtschreibung zitiert nach: von L�hneyen, Wolfgang (Hg.): Arthur Schopenhauer. Sämtliche Werke. Darmstadt: WBG, 2004. Bd VI, S. 494

Du sollst nicht töten, außer…

Ein Gesetz, so alt wie die Menschheit: Du sollst nicht töten. Für das christlich geprägte Abendland buchstäblich in Stein gehauen als eins der Zehn Gebote des Alten Testaments (2. Mose 20, 13). Fast alle Kulturkreise kennen dieses Tabu – und doch gilt es nirgends absolut, ist es überall und zu allen Zeiten von Einschränkungen begleitet: Du sollst nicht töten, außer…
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Der (Alp)Traum vom künstlichen Menschen

Seit Anfang des Monats läuft auf Arte die schwedische Serie »Real Humans«, die uns in eine Welt blicken lässt, die der unseren sehr ähnlich ist. Allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: Die Bewohner dieser Welt haben die Möglichkeit, sich beim Fachhändler einen sogenannten »Hubot« zu kaufen, einen menschenähnlichen Roboter, der ihnen im Haushalt hilft, in ihrer Fabrik arbeitet oder kranke Verwandte pflegt.
Allein, die Illusion damit nur einen hochentwickeltes Automaten erworben zu haben wird schnell brüchig. Die Hubots müssen, um ihre vielfältige Aufgaben erfüllen zu können, eine Art von Intelligenz aufweisen, die bald zum Problem wird – und auch die Menschen, die täglich mit ihnen umgehen, kommen nicht umhin, sich danach zu Fragen was ein Hubot eigentlich ist: Ein bloßes Stück Technik oder ein Spiegel seines Schöpfers?

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Unser Leben ist die Parodie unserer Träume

Wenn Literatur die Grundfragen unseres Lebens auf immer neue Weise verarbeitet, dann ist Stephan Thome ein großartiger Wurf nach einer Antwort gelungen. Seine Protagonisten suchen vor allem eines, ein glückliches Leben und unterstreichen damit, was schon Aristoteles zu Beginn der Nikomachischen Ethik niederschrieb, nämlich das alle Menschen nach dem Glück suchen.
Indes, Stephan Thomes Figuren zeigen uns, wie schwer dieser Weg ist und das ein paar Äußerlichkeiten noch kein erfülltes Leben versprechen. In zwei sprachlich wundervollen Romanen verfolgen wir Protagonisten auf der Suche nach einem gelungenen Dasein und gehen mit ihnen verschiedenste Wege und Irrwege ab. Eine endgültige Antwort, ein Lebensrezept in Form eine Anleitung geben die Romane nicht, aber bei dem geneigten Leser vermögen sie Fragen anzustoßen und den Impuls, sich selbst Rechenschaft abzulegen.
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Über abschließende Urteile

Gust Avrakotos: There‘s a little boy and on his 14th birthday he gets a horse… and everybody in the village says, »how wonderful. The boy got a horse.« And the Zen master says, »we‘ll see.« Two years later, the boy falls off the horse, breaks his leg, and everyone in the village says, »How terrible.« And the Zen master says, »We‘ll see.« Then, a war breaks out and all the young men have to go off and fight… except the boy can‘t ‘cause his leg‘s all messed up. And everybody in the village says, »How wonderful.«
Charlie Wilson: Now the Zen master says, »We‘ll see.«

Filmzitat aus: Nichols, Mike: Charly Wilson‘s War. 2007

Neuer Roman von Haruki Murakami

Es scheint, als könnte sich die Fangemeinde auf ein baldiges Erscheinen eines neuen Werks von Haruki Murakami freuen. Am 12. April erscheint in Japan sein neuer Roman 色彩を持たない多崎つくると、彼の巡礼の年 (dt. Der farblose/farbblinde Tsukuru Tasaki und das Jahr seiner Pilgerfahrt). Die genannte deutsche Übersetzung des Titels ist nicht der offizielle Übersetzungstitel, sondern nur eine ungefähre Übersetzung aus dem Japanischen.

Bislang ist es in der deutschen Presselandschaft still um das besagte Buch, möglicherweise weil die englische und deutsche Übersetzung noch auf sich warten lassen werden und man kaum vor Ende 2013 oder 2014 mit ihnen rechnen kann. Auf der Seite seines deutschen Verlages DuMont finden sich noch keine Informationen, es dürfte allerdings davon auszugehen sein, dass sein Roman dort in der Übersetzung von Ursula Gräfe erscheinen wird.
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Das Gewebe der Wirklichkeit – zu Wilhelm Schapps Geschichtenphilosophie

Was geht es uns an, das allumspannende Nichts, in das sich ein Universum ausbreitet, von dem wir kaum etwas wissen und das wir nie sehen werden? Was geht sie uns an, die Leere zwischen den Atomen, die unter dem Blick der Wissenschaftler in immer winzigere Teilchen zerfallen und deren Natur selbst sie nicht recht begreifen?
Trotzdem sind wir gewohnt, dies die Wirklichkeit zu nennen, hard facts der Welterkenntnis – Erkenntnisse über eine Welt, die wir nie zu Gesicht bekommen werden, die unerreichbar hoch über uns und in den subatomaren Tiefen von uns so wenig Notiz nimmt, wie wir von ihr. Eine Wirklichkeit, die wir nur von Computermodellen und Schnappschüssen in die Unendlichkeit gerichteter Teleskope kennen.
Nein, es geht hier nicht darum, das Streben nach dem Wissen darüber was die Welt im Innersten zusammenhält zu verspotten. Es geht um die Frage, was es ist, das wir Wirklichkeit nennen – und wo wir sie zu finden hoffen: An den äußeren Rändern unserer Erkenntnis oder im Zentrum unseres Erlebens?
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Ein ungeliebter Philosoph – René Descartes und die Meditationen

René Descartes‘ »Meditationen über die Grundlagen der Philosophie« gehören zu den philosophischen Schriften, die den Meisten schon in der Einführungsveranstaltung des Philosophiestudiums für immer verleidet werden.
Natürlich, man sollte schon einmal davon gehört haben, schließlich ist es ein gleichermaßen klassischer und wichtiger Text, kann mit einigem Recht als eine der »Gründungsakten der Neuzeit« bezeichnet werden und hat zudem den Vorteil, dass er einer klaren Argumentationslinie folgt und nicht allzu umfangreich ist. Das Problem besteht allerdings darin, dass den Meditationen ein ganz anderes Verständnis von Philosophie zugrunde liegt, als wir es heute haben, und die immense Bedeutung, die der Text für die abendländische Ideengeschichte hat, nicht mit seiner ursprünglichen Intention übereinstimmt.
Eingequetscht zwischen Platons Höhlengleichnis und Auszüge aus Humes Untersuchung über den menschlichen Verstand fehlt im Proseminar aber oft die Zeit, tiefer in den Text einzutauchen und ihn im Kontext seiner Entstehung zu begreifen. So bleibt zumeist nicht viel mehr zurück als ein gewisser Widerwille (schließlich wird in den Meditationen Gott beweisen – gleich zweimal und doch nicht überzeugend) und eine vage Erinnerung, wie man sie vielleicht von einer Europe in 10 Days-Reise zurückbehält. Kein Wunder also, dass zum Stichwort Descartes Vielen nicht mehr als »cogito ergo sum« einfällt, was zudem auch noch irreführend, wenn nicht schlichtweg falsch ist.
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Die Sprache der Klugen

Gewalt, so ein bekanntes Sprichwort, ist die Sprache der Dummen.
Auch ohne langes Überlegen dürfte jeder in etwa wissen, was damit gemeint ist: Wer sich nicht oder nicht mehr auszudrücken weiß, wer keine andere Möglichkeit findet, seinem Ärger, seiner Frustration oder seiner Wut Ausdruck zu verleihen, mag zu diesem Mittel greifen, um zumindest für diesen Augenblick der Hilflosigkeit nicht auch noch wort- und tatenlos zu bleiben. Dumm nennen wir dieses Verhalten, weil es Ausdruck eines doppelten Unvermögens ist – des Unvermögens, sich dem Gegenüber verständlich zu machen und des Unvermögens, diese Frustration auszuhalten.
Wie aber sieht der Umkehrschluss aus – gibt es eine, womöglich besondere, Sprache der Klugen?
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