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Alkibiades über Sokrates

oder von der Wirkung des philosophischen Eros

»[…] von [ihm] ward ich oftmals in eine solche Stimmung versetzt,
so dass mir das Leben unerträglich erschien, wenn ich so bliebe, wie ich bin.«


Platon: Symposion. 216A

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Epikur - ein Vordenker

Im Jahr 306 v. Chr. ging Epikur, nachdem er in den Jahren zuvor sowohl eine Schule auf der Insel Lesbos, als auch eine weitere am Lampsakos am Ufer des Hellespont gegründet hatte, mit vielen seiner Schüler nach Athen.
In Athen soll er für 80 Minen ein Gartengrundstück gekauft haben, wo er seine Schule errichtete. Diese athener Schule zeichnete sich dabei durch einige Besonderheiten aus, so wurde dort beispielsweise kein Schulvermögen angelegt, sondern jegliches Privatvermögen blieb bestehen. Dies war Ausdruck des Umstandes, dass Epikur eine Forderung nach Kollektivierung von Vermögen als Zeichen des Misstrauens zwischen Menschen auffasste, und dieses Misstrauen war unter Epikureern (also Freunden) nach seiner Auffassung unnötig.
In weitaus höherem Maße bemerkenswert ist aber, dass in der epikureischen Schule Athens sich nicht nur freie Männer trafen, um Philosophie zu diskutieren und zu lernen. Frauen und Sklaven waren Epikur dort ebenso willkommen. Dadurch konnte Epikur zeigen, dass er seine Philosophie für eine Lehre vom Glück hielt, die für jeden Menschen, gleich ob Mann oder Frau, Freier oder Sklave, von Nutzen ist. Daran geknüpft ist natürlich die implizite Aussage, dass auch Frauen und Sklaven genauso wie freie Männer imstande sind, diese Philosophie zu verstehen und zu leben; es mag dahin gestellt sein, ob Epikur eine Art von Gleichberechtigungsgedanken hatte oder nicht (die Gleichberechtigung der Frau sollte noch über 2300 Jahre auf sich warten lassen, die Abschaffung der Sklaverei nicht ganz so lange), fakt ist jedenfalls, dass er Frauen und Sklaven dadurch, dass sie seine Schule besuchen durften, mehr Rechte einräumte, als sie sonst gewöhnlich hatten.

siehe auch: Das Vorurteil über Epikur

nach: Hossenfelder, Malte: Epikur. Zweite Auflage. München: C.H. Beck, 1998. S. 17f.

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Philosophie und Glaube

Philosophie und Glaube unterscheiden sich grundsätzlich, während die Philosophie die Wahrheit sucht, glaubt der Glaube diese bereits zu kennen. Und während die Meisten diesen Unterschied als trivial und richtig abnicken, ist doch oft zu bemerken, dass philosophische Lektüre durch die Brille des eigenen Glaubens gelesen wird.
Mit Glauben ist hier weniger eine Gottesvorstellung gemeint (der in sich problematische Sonderfall der Religionsphilosophie soll hierbei unberücksichtigt bleiben), als vielmehr die persönlichen Auffassungen über die Beschaffenheit der Welt, die des Menschengeschlechts oder den erstrebenswerten zwischenmenschlichen Umgang, die gültigen Normen und Werte. Häufig ist zu beobachten, dass, wenn eine philosophische Lehre gegen die persönlichen alltäglichen Auffassungen, z.B. vom Menschen als Menschenfreund oder Misantrophen, verstößt, sie nur auf Grund des persönlichen Glaubens, eines eigenen Gefühls verworfen wird, ohne dass man den Text gewähren lässt. Dabei ist eine philosophische Schrift durch Glauben ebensowenig zu widerlegen, wie Glaube durch eine philosophische Schrift ad absurdum geführt werden kann. Philosophie und Glaube bewegen sich schlicht auf verschiedenen Ebenen, die sich gegenseitig nicht in gültiger Weise beeinflussen können, denn Glaubenssätze sind für die Philosophie ebensowenig von Nutzen, wie ein philosophischer Beweis einen Glauben ruinieren muss. Philosophie ist nicht dafür da, uns in unserem Glauben über dies und jenes oder unseren Gefühlen eine Sache betreffend zu bestätigen, sondern sie ist Suche nach der Wahrheit, auch wenn die Wahrheit unseren Auffassungen schmerzlich widersprechen sollte.
Die Philosophie lediglich dazu zu nutzen, sich in seinen Haltungen bestätigen zu lassen und seinem Glauben widersprechende Sachen als Mumpitz zu verwerfen, bedeutet die Philosophie leer werden zu lassen, denn nicht länger wäre sie in diesem Fall eine Begleiterin auf der beschwerlichen Suche nach der Wahrheit, sondern lediglich ein Instrument der bequemen und wahrheitsindifferenten Selbstbestätigung.

Chris  Nachdenkliches  7 Kommentare