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Sokrates nach seinem Todesurteil

Jedoch, es ist Zeit, daß wir gehen, ich, um zu sterben, und ihr, um zu leben. Wer aber von uns beiden zu dem besseren Geschäft hingehe, das ist allen verborgen außer nur Gott.



Platon: Apologia Sokratous. 42a (Übers. v. Friedrich Schleiermacher)

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Geben ist Nehmen - Nehmen ist Geben

Freundschaft realisiert sich zu einem Großteil im Zeigen von Freundschaft, dieses realisiert sich wiederum im Geben, denn durch den Akt des Gebens wird das Wohlwollen für den anderen ausgedrückt und somit das eigentlich innere Gefühl der Sympathie für den Anderen sichtbar.
Zwischen Freunden, so definiert Aristoteles, muss es gerecht zugehen. Gerechtigkeit, das bedeutet für Aristoteles das Mittlere, die absolute Ausgeglichenheit zu beiden Seiten. Ein Ungleichgewicht entstünde, würde der Gebende für seine Gabe nichts im Gegenzug erhalten, die Freundschaft wäre also vorbei oder zumindest belastet. Im folgenden wird eine Möglichkeit betrachtet, wieso dieses augenscheinliche Ungleichgewicht im Geben zwischen Freunden nicht entsteht.
Aus dem Alltag ist hinreichend bekannt, dass Freunde nicht auf einen absoluten Ausgleich des Gegebenen achten. Doch wieso ensteht hierdurch in der Freundschaft kein Ungleichgewicht, also keine Ungerechtigkeit?
Nur ein ein flüchtiger Blick auf den Akt der Gabe zwischen Freunden könnte übersehen, dass der Gebende im Akt des Gebens gleichsam der Empfangende ist. Im Geben, wie oben beschrieben, realisiert der Gebende eine Wohltat am Freund und drückt hierdurch seine Sympathie aus und bekräftigt gleichsam die Freundschaft. Doch was könnte das anderes bedeuten, als das der Gebende hierdurch zum Wohltäter wird, oder anders formuliert: Durch die Gabe erhält er den Status des Wohltäters.

Nun mag man einwenden, es gäbe Menschen, die keine Wohltäter seien wollen und aus niederen Beweggründen Geschenke machen. Doch gerade in dieser Konstellation zielt die Gabe auf das Erzielen einer spezifischen Gegenleistung - inwieweit hierbei allerdings noch von einer wertvollen Freundschaft gesprochen werden kann ist ein anderes Thema.

Aristoteles. Nikomachische Ethik. VIII und IX

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Kopernikanische Charaktere gesucht

Über den Glauben an die Wissenschaft haben wir bereits diskutiert.
Heute geht es mir mehr um seine Ursachen und Wirkung:

Etwas erklären zu können, wirkt ungemein beruhigend. Wenn wir etwas verstehen gibt uns das Sicherheit und eine gewisse Macht darüber. Je mehr die Menschen in ihrer Geschichte über ihre Umwelt gelernt haben, umso weniger mussten sie sich davor fürchten. Nicht von ungefähr gründeten die Menschen in der Antike ihr Weltbild auf die Vorstellung einer Gesellschaft von Göttern, die ebenso rachsüchtig, eifersüchtig, zerstritten und launisch waren wie die Menschen selbst es sind. Es liegt etwas Unberechenbares in dieser Idee, und dies entspricht auch der damaligen Welterfahrung, ein Gewitter, ein Vulkanausbruch, ein Erdbeben - erschreckende Ereignisse, die heute zwar nicht völlig ihren Schrecken verloren haben, denn schließlich sind wir auch heute noch weitgehend machtlos gegen sie, aber wir verstehen, wie sie entstehen und können sie weitgehend vorhersagen. Eine Sonnenfinsternis, die damals wohl noch die meisten Menschen in Angst und Schrecken versetzt hat, kann heute auf die Minute genau vorhergesagt werden und auch das Auftauchen eines Kometen am Nachthimmel wird eher als ein zu bestauntes und erwartetes Spektakel, denn als ein unheilvolles Zeichen für den Unmut der Götter gesehen.

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Tom  Nachdenkliches  5 Kommentare