Um es gleich vorwegzuschicken, die Überschrift ist ein Epigramm aus der Feder Erich Kästners mit dem Titel Moral. (1) Die Aussage lässt aufhorchen und wenngleich eine Unzahl an Einwänden gegen die Aussparung des Denkens in seinem Epigramm möglich sind, so bleibt doch der Kern seiner Aussage davon unberührt.
Wohl so ziemlich jeder wird einräumen, dass ihm arme und hilfsbedürftige Menschen in nahen und fernen Ländern Leid tuen, dass er wünschen würde, die Welt wäre ein besserer Ort, als sie ist. Es lohnt sich, die Frage danach zu stellen, wie aufrichtig derartige Äußerungen sind.

Als einfache Überprüfung bietet sich an, danach zu forschen, inwieweit die Person aus ihren Worten Taten folgen lässt. Natürlich ist der Prozess des Schaffens von Bewusstsein bei den Mitmenschen durch das Reden auch ein überaus wichtiger Prozess, aber wo er im Reden stehen bleibt, verfehlt er das eigentliche Ziel, nämlich den Menschen durch das Reden zum Handeln zu bringen. Tatsächlich kann (fast) jeder etwas tun, es ist dabei gar nicht die Frage, ob unzählige Stunden an ehrenamtlicher Arbeit geleistet werden, oder ob man größere Summen einer Hilfsorganisation seiner Wahl zur Verfügung stellt. Die Frage lautet, folgt überhaupt irgendeine Tat aus den Worten? Legt man beispielsweise den vergleichsweise lächerlichen Betrag von nur 83 Cent pro Monat beiseite, kann man nach einem Jahr 10 Euro einem Hilfsprojekt seiner Wahl zukommen lassen und hätte schon mehr getan als nichts.
Die 83 Cent im Monat sind nur ein willkürliches Beispiel für den Umstand, dass man leicht etwas machen kann, wenn man nur will. Tatsächlich findet sich hier der wohl entscheidendste Punkt jeder ethischen Überlegung: Vermag man es, die innere Einstellung, die man so gerne in Reden proklamiert, in die Tat überzuführen, oder bleibt es bei leeren Worten, die dann wohl nur noch als Gerede bezeichnet werden können.

Wo keine Taten mehr den Reden folgen, wo die Sätze leer werden, ist es dann wohl auch nicht mehr weit bis zu jenem Punkt, an dem auch die leeren Worte verstummen.

(1) Kästner, Erich: Moral. In: id.: Zeitgenossen, haufenweise. Gedichte. Hrsg. von Harald Hartung. München: Carl Hanser Verlag, 1998. S. 277 (= Werke, Bd. 1)

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