Die Frömmigkeit entspricht dem Wunsch,
um jeden Preis in der Welt eine Rolle zu spielen.

Montesquieu. Meine Gedanken. Mes pensées – Aufzeichnungen. München: Carl Hanser Verlag. (2000). S. 7

4 Antworten auf „“

  1. Stimmt, Kirche versucht sich aufzuspielen.
    Wer möchte schon ohne Lohn als Kranker noch arbeiten? Die Meisten wehren sich gegen eine Tätigkeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen, dem sogenannten 2. Arbeitsmarkt. Sie halten das für eine Form von Unterdrückung durch die Kirche, die wehrlose Menschen zu einer Art Sklave für sich machen würde, und das auch nicht mit Zuwendung belohnen würde. Immer wieder wurden Misshandlungen, ausgeführt auch von Angestellten der Kirche thematisiert, die Steuergelder für Gewalt verbrauchen würden. Diese Situation sollte verändert werden. Die Diakonie sollte mehr das Geben lernen. Für ihr Verhalten gibt es speziell durch diese Religion keine Rechtfertigung, sondern das Gegenteil ist der Fall.

  2. Könnte mir vorstellen, der Spruch ist heute nicht mehr "up to date". Ich kenne keinen, der aufgrund des Wunsches, in der Welt eine Rolle zu spielen, fromm ist. Vor einigen hundert Jahren, kann ich mir vorstellen, war Frömmigkeit eine der wenigen Möglichkeiten, zu einer Welt außerhalb des kleinen Bekanntenkreises zu gehören – von etwas Bedeutenderm als die eigene "Scholle" wahrgenommen zu werden – und sich so auch bedeutender zu fühlen. (Ist es nicht paradaox, dass der Sinn der Frömmigkeit eigentlich darin besteht, über das weltliche hinauszukommen?)
    Heute aber…ist zumindest der Wunsch, in der Welt eine Rolle zu spielen sicher vorhanden, wir haben aber andere Mittel und zahlen andere Preise – und wer weiß, ob wir jeden Preis zahlen würden.

  3. Hallo Sebastian!

    Gut beobachtet, ich teile deine Auffassung, dass Frömmigkeit heute nicht mehr das verbreitetste Mittel sein dürfte. Gleichwohl frage ich mich, was an seine Stelle getreten sein könnte, dass gleichsam das Element des über-das-eigene-Leben-ins-Unendliche-ragen mitbringt, sofern man Frömmigkeit verknüpft mit dem Wunsch sieht, über die einzelne (und letztendlich zumeist unbedeutende) irdische und zeitlich begrenzte Existenz hinauszukommen und Teil an etwas Großem zu haben.

  4. Der Wunsch, den du beschreibst, ist mir sehr bekannt. Vielleicht muss man sich fragen, in welcher Welt man über die Enge der eigenen Existenz hinauskommen und eine "Rolle" spielen möchte. In der Sportwelt muss ich körperliche Leistung bringen, in der Welt der Gelehrten am besten Bücher veröffentlichen, etc. Und dann noch die Frage, um welchen Preis? Sollte ich bereit sein, jeden Preis zu bezahlen, der von mir gefordert wird?
    Heißt das nicht auch, dass ich nicht selbst darüber enstcheiden will, welchen Preis ich zahle bzw. welches Risiko ich eingehe? Sondern dass eben sozusagen die Welt darüber richtet, was ich bezahlen soll, um eine Rolle spielen zu können.
    Wenn im Gegensatz dazu Autonomie bedeutet, die Preise selbst zu bestimmen und die Risiken selbst abzuschätzen, führt das in der Konsequenz dazu, möglicherweise keine Aussicht auf das Spielen einer Rolle in der Welt zu haben, nicht an etwas Großem teilhaben zu können.
    Ist denn Frömmigkeit der Gegensatz zu einem aufgeklärten Geist? (Vor diesem Hintergrund ließe sich vielleicht das Frommsein in die heutige Zeit übersetzen, ohne gleich an die Kirche denken zu müssen…)

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