Everyone knows they’re going to die,
but nobody believes it.

– Morrie Schwartz

In: Albom, Mitch. Tuesdays with Morrie. An old man, a young man, and life’s greatest lesson. New York: Doubleday (1997): S. 80

9 Antworten auf „“

  1. hmm…ich glaube es schon…aber das verbessert nicht wirklich die lebensqualität, muss ich zugeben. manchmal wäre es mir wirklich lieber, wenn es mir gelingen würde, mehr im hier und jetzt zu sein.

  2. »Der Tod ist eigenste Möglichkeit des Daseins. Das Sein zu ihr erschließt dem Dasein sein eigenstes Seinkönnen […] Der Tod >gehört< nicht indifferent nur dem eigenen Dasein zu, sondern er beansprucht dieses als einzelnes.«

    Heidegger (Sein und Zeit)

  3. Hallo Loewenzahn,
    wenn Du dich wirklich als sterblich erlebst, dann gehörst Du sicherlich zu einer kleinen Gruppe unter den Menschen. Der Gedanke daran, das man gänzlich verschwindet und nichts mitnehmen kann, kann durchaus belasten (wenngleich sich an dieser Stelle einige des Glaubens behelfen); aber vielleicht ist es auch eine Chance für Freiheit, wer sterblich ist, wer verschwindet, muss sich auch nicht um die Meinung anderer kümmern, als würde Sie für die Ewigkeit gelten (und selbst wenn Sie es würden, was ginge es uns als Tote noch an?).

  4. hey chris.
    ich empfinde es als belastung mir meiner sterblichkeit bewußt zu sein. und was den glauben angeht, geb ich dir recht. für mich hat sich der glaube fast einzig deswegen entwickelt. kann man drüber streiten, ob dieser glaube dann auch bestand hat oder vertretbar ist. für mich ist er es, eben weil er gut tut und mir lebensqualität gibt.
    und zu der meinung anderer: tja, nur weil ich mich darum nicht mehr kümmern müsste, weil ich ja weiß, dass ich mich auflöse und die meinung über mich keinen bestand hat, lebe ich dann doch noch genug im jetzt um mir der tatsache bewußt zu sein, dass mir trotzdem noch eine lange zeit hier bevor steht und die meinung anderer u.U. mein leben erschweren oder verbessern kann.
    das zum einen und zum anderen, nur weil ich mal sterbe sind doch meine gefühle nicht jetzt schon tot. wenn jemand eine schlechte meinung über mich hat, wird mich das trotzdem verletzen und wenn er eine gute von mir hat, wird es mich freuen.
    ich bin halt, trotz meiner bewußt erlebten sterblichkeit, trotzdem ein mensch in einem sozialen geflecht und nicht ein emotionsloses, isoliertes wesen, welches sich schon zum sterben zurückgezogen hat. 😉
    so bin ich dann doch mehr im hier und jetzt, als ich beim ersten post noch dachte 🙂

  5. Ja, Heidegger sagt schon sehr viel zum Tod. Aber das hier aufgeführte Zitat von ihm erhellt eigentlich gar nicht das, was Heidegger zu Morrie Schwartz gesagt hätte. Ich glaube, er hätte heftig genickt und "Genau!" gerufen. (Wenn er nicht grade das Temperament einer Schlaftablette hatte, worüber ich nichts zu sagen vermag.)
    Die Stellen in Sein und Zeit, die zum Thema des Artikels passen, sind so zahlreich, dass ich hier nur ein paar Beispiele anführe. Heidegger ist leseabweisend genug und es geht hier ja darum, etwas beizutragen und nicht andere auszuschließen. Deswegen für das bessere Verständnis ganz kurz (und nicht völlig korrekt) im Voraus: „Das Man“ ist im gewissen Sinne die Gesellschaft und wir selbst, wenn wir uns an ihr orientieren. „Dasein“ steht für Mensch.

    „>Der Tod< begegnet als bekanntes innerweltlich vorkommendes Ereignis. Als solches bleibt er in der für das alltäglich Begegnende charakteristischen Unauffälligkeit. Das Man hat für dieses Ereignis auch schon eine Auslegung gesichert. […] man stirbt am Ende auch einmal, aber zunächst bleibt man selbst unbetroffen.“ (1)
    „Das >man stirbt< verbreitet die Meinung, der Tod treffe gleichsam das Man. Die öffentliche Daseinsauslegung sagt: >man stirbt<, weil damit jeder andere und man selbst sich einreden kann: je nicht gerade ich, denn dieses Man ist das >Niemand<.“(2)

    Heidegger sieht anscheinend auch einen „Schuldigen“:
    „Das Man besorgt dergestalt eine ständige Beruhigung über der Tod.“(3)
    „Schon das >Denken an den Tod< gilt öffentlich als feige und Furcht, Unsicherheit des Daseins und finstere Weltflucht. Das Man lässt den Mut zur Angst vor dem Tod nicht aufkommen.“ (4)

    Martin Heidegger, "Sein und Zeit", Tübingen 2001, (1)+(2) S. 253, (3)+(4) S. 254

  6. @ Sonja: Fett!

    Nur eine kleine Anmerkung:
    Wie Du andeutest wollte Heidegger seine Ontologie nicht auf die Gesellschaft und den einzelnen angewendet wissen, wie es in der Folge von S&Z wohl neben ihm, auch einige andere davon inspirierte existentialistischen Geister getan haben: S&Z ist keine praktische Philosophie sondern Ontologie, das meine nicht nur ich, sondern auch Heidegger selbst.
    Spätestens dann nach seiner Kehre, die nach seinem gescheiterten Engagement für den Nationalsozialismus als Rektor der Uni Freiburg eintritt, will er seine Daseinsanalyse, auf ontologisches Denken beschrängt wissen und als Daseinsontologie gewürdigt sehen.

    Ich meine ohne die Leistungs Heidies herabwürdigen zu wollen, dass der Entwurf des Daseins auf den Tod hin, neben vielen anderen Kritikpunkten, zumindest die Frage nach der Geburt aufwirft. Zwar kann sich mit Heidie die eigene Endlichkeit heraus stellen, dennoch können wir gelassen in dieser vergänglichen Immanenz leben. Was den Lebenden bleibt, ist der Vergänglichkeit ansichtig, sich vorzustellen das man selbst nicht länger sei. Daraus ergibt sich die Möglichkeit in den Anderen, der Ideensphäre (wozu Heidies Ontologie gehört), in den Dingen aufzugehen, mit ihnen zu verschmelzen. Denn „vom ichbezogenen Selbst kann man erst Abstand nehmen, wenn man die Vergänglichkeit sieht.“

    Grüsse, Euer misstönender Oberlehrer

    Zitat aus: Dôgen (1997): Shôbôgenzô Zuimonki. Unterweisungen zum wahren Buddhaweg. (Hrsg.: Koun Ejô) S.36. In: Byung-Chul, H. (2002): Philosophie des Zen-Buddhismus. Reclam Verlag.

  7. Der Teufel meint: „Die Unsicherheit und Beliebigkeit des Augenblicks, wo es Zeit wird, ans Ende zu denken, vernebelt scherzhaft den Augenblick auf das gesetzte Ende.“ (Mann: Doktor Faustus. Fischer 2003: 308)

  8. Herr misstönender Oberlehrer,

    ich weiß nicht, was du mit "fett" aussagen möchtest. Mir scheint es fast, du hast meine, wie ich dachte, deutlichen Winke mit einem ganzen Zaun nicht bemerkt. Ich denke es erhöht die Konstruktivität in einem (gerade schriftlichen) Gespräch doch sehr, wenn man das gemeinsame Thema im Blick hat und nicht einfach das nächste Zitat zum Stichwort rezitiert. Und dann gerade Heidegger, der doch eben so „leseabweisend“ ist, den dementsprechend niemand kennt. Was sollte dein Beitrag in das Gespräch einbringen? Das wir doch alle irgendwann sterben? Dafür brauche ich keinen Heidegger.
    Was deine kleine Anmerkung betrifft: Ich glaube, hier ist nicht der geeignete Rahmen, um darüber zu diskutieren, ob Heidegger selbst seine Philosophie nie auf die Gesellschaft anwenden wollte. Hier sind sich schließlich auch Heideggerexperten nicht einig. Und auch wenn er das nicht wollte, egal. Sie ist teilweise eben einfach prima, um genau das mit ihr zu machen.
    Ich denke auch nicht, dass es hier um Heideggers Sein zum Tode geht. Auch das ist ein ganz eigenes Thema, das nichts über die Tatsache aussagt, dass niemand an seine Sterblichkeit glaubt.

  9. Hallo
    Ich kenne zwar weder Heidegger noch einen von euch. Und das trifft auch auf euch über die anderen Verfasser der Kommentare wie mich zu. Wir müssen zwar alle mal sterben, der eine früher, der andere später. Aber trotz allem sollte man den Kopf nicht hängen lassen und schwarz sehen. Konnte denn einer von euch hinter den Schleier des Todes gucken und sehen, was sich dahinter verirgt? Ist denn jemals einer unserer verehrten Verstorbenen jemals zum Berichten zurückgekommen? Keiner weiß, ob es nach dem Tod nun weitergeht oder nicht. Das Sterben ansich ist mir egal. Aber ich würde gerne wissen wollen, wie es danach weitergeht nachdem ich "tod" bin. Ob es einfach ein neues Kapitel meines Daseins darstellt, was mich dort erwartet? (Aber ich habe noch locker über 50 Jahre Zeit darüber nachzudenken).

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