Unser Leben ist die Parodie unserer Träume

Wenn Literatur die Grundfragen unseres Lebens auf immer neue Weise verarbeitet, dann ist Stephan Thome ein großartiger Wurf nach einer Antwort gelungen. Seine Protagonisten suchen vor allem eines, ein glückliches Leben und unterstreichen damit, was schon Aristoteles zu Beginn der Nikomachischen Ethik niederschrieb, nämlich das alle Menschen nach dem Glück suchen.
Indes, Stephan Thomes Figuren zeigen uns, wie schwer dieser Weg ist und das ein paar Äußerlichkeiten noch kein erfülltes Leben versprechen. In zwei sprachlich wundervollen Romanen verfolgen wir Protagonisten auf der Suche nach einem gelungenen Dasein und gehen mit ihnen verschiedenste Wege und Irrwege ab. Eine endgültige Antwort, ein Lebensrezept in Form eine Anleitung geben die Romane nicht, aber bei dem geneigten Leser vermögen sie Fragen anzustoßen und den Impuls, sich selbst Rechenschaft abzulegen.

Diese erzählerisch und sprachlich außerordentlich gelungenen Romane seien jedem ans Herz gelegt, der der Frage nach dem Ideal und der Praktikabilität des glücklichen Lebens gerne nachspürt und überdies vielschichtig schillernde Figuren schätzt, die nichts von dem übertriebenen Pathos der Wohlfühlliteratur mitbringen, sondern so sind, wie Menschen eben sind – einzigartig und fehlbar.
Der Beschreibung von Tilman, der Thome als den Meister seelischer Zwischentöne beschreibt,(1) ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, wäre da nicht noch der passende Ausspruch von Krekeler, dass „Stephan Thome über das Leben [schreibt, CB], wie es eben ist“.(2)

Klappentext zu Grenzgang:
Alle sieben Jahre steht Bergenstadt Kopf: Beim traditionellen »Grenzgang« werden die Grenzen der Gemeinde bekräftigt – und alle anderen in Frage gestellt. Auch für Kerstin und Thomas, die in der kleinstädtischen Provinz hängen geblieben sind, nachdem sich ihre Lebensträume zerschlagen haben: Sie reibt sich auf zwischen pubertierendem Sohn und demenzkranker Mutter, er ist nur deshalb Lehrer, weil die Unikarriere eine Sackgasse war. Aber beide geben sie ihre Suche nach dem Glück nicht auf. (3)

Klappentext zu Fliehkräfte:
Hartmut Hainbach ist Ende fünfzig und hat alles erreicht, was er sich gewünscht hat: Er ist Professor für Philosophie und hat seine Traumfrau geheiratet, die er nach zwanzig Jahren Ehe immer noch liebt. Dennoch ist Hartmut nicht glücklich. Seine Frau ist nach Berlin gezogen, sodass aus der Ehe eine Wochenendbeziehung geworden ist, die gemeinsame Tochter hält die Eltern auf Distanz, der Reformfuror an den Universitäten nimmt Hartmut die Lust an der Arbeit. Als ihm überraschend das Angebot zu einem Berufswechsel gemacht wird, will er endlich Klarheit: über das Verhältnis zu seiner Tochter, über seine Ehe, über ein Leben, von dem er dachte, dass die wichtigen Entscheidungen längst getroffen sind. (4)

Weiterführende Links:
Stephan Thomes Profilseite bei Suhrkamp

Quellen:
(1) vgl. Krause, Tilman: „Gebt den Buchpreis Stephan Thome“. In: Die Welt Nr. 219 vom 19. September 2009 („Literarische Welt“), S. 29 (Online-Version aufgerufen am 6. April 2012)
(2) Krekeler, Elmar: „Stephan Thome über das Leben, wie es eben ist“‘ welt.de, 26. September 2009 (Online-Version aufgerufen am 6. April 2012)
(3) Offizieller Kurztext von Suhrkamp (Online-Version aufgerufen am 6. April 2012)
(4) Offizieller Kurztext von Suhrkamp (Online-Version aufgerufen am 6. April 2012)

Die Überschrift ist ein Zitat aus Stephan Thome: Fliehkräfte. Berlin: Suhrkamp Verlag, 2012. S. 457

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.