Am Abgrund

Der Mythos des Sisyphos von Albert Camus

Sisyphos, eine Gestalt der griechischen Mythologie, wurde für seinen Verrat an Zeus dazu verurteilt, für die Ewigkeit einen Felsbrocken einen Abhang hinaufzurollen, der ihm jedoch kurz vor dem Gipfel stets wieder entgleitet, woraufhin er von vorn beginnen muss.
An diesem Beispiel entwickelt Camus seine Gedanken über das Absurde im Leben des Menschen:

Nach Camus hat jedes Gefühl seine Geisteshaltung und Metaphysik, sein eigenes Klima, welches im Falle des Absurden lediglich in den Auswirkungen erkennbar ist. Das Absurde ist nach Camus für jeden erfahrbar und beginnt mit dem Durchtrennen der Kette des steten Gedankenstroms des Alltagslebens, durch den Überdruss als erste Bewusstseinsregung in Form der Frage „Warum?“ und der Erkenntnis, dass das Leben endlich ist. An diesem Punkt besteht zumindest theoretisch die Wahl zwischen der Rückkehr in die „Kette“ und dem freien Fall in das Absurde.
Ein weiterer Schritt in das Absurde ist die Verfremdung der Welt, die als geschlossen, unzugänglich, vom absurden Menschen fremd und unmenschlich erkannt wird; dies schließt alle anderen Menschen mit ein.

Die Erkenntnis des Absurden wird begleitet von jener, dass jedes Wissen über die Welt bloßes Konstrukt ist und ein sicheres Wissen über die Welt nicht existiert, der Erkenntnis, dass der Mensch sich selbst nicht erkennen kann und der Klarheit darüber, dass das Heimweh nach einer universellen Einheit und dem Verständnis der Welt dem Menschen nicht möglich sind und er somit keinen Frieden finden kann, solange er danach sucht. Er erkennt, dass Wissenschaft und Mystik nur darauf ausgerichtet sind, einen „vergifteten Frieden“ aufrecht zu erhalten, der aus Sorglosigkeit und der Trägheit des Herzens besteht. Er erkennt, dass sein Geist gefesselt ist und seine einzig mögliche Beziehung zur Welt im Absurden besteht.

Camus betrachtet die Frage nach der Freiheit an sich als nicht wesentlich, da ihre Klärung für das Problem des Absurden nicht notwendig ist. Er beschränkt die Frage nach der Freiheit auf die Freiheit des Handelns und Denkens.
Diese Freiheit ergibt sich endgültig erst durch die Erkenntnis des Absurden, da das Absurde den Menschen von der „Wahnvorstellung“ befreit, seinem Leben einen Sinn geben zu müssen und sich somit Wertmaßstäben, Geboten und Hoffnungen unterwirft, die erst die Schranken für sein Denken und Handeln aufbauen.
Der absurde Mensch hofft nicht und für ihn existiert kein Morgen, kein Ziel.
Die Qualität bleibt hinter der Quantität zurück, die gebietet, unabhängig von Werten und Gesetzen so intensiv wie möglich zu leben. Demnach wäre der Selbstmord aufgrund der Erkenntnis, dass alles sinnlos ist, keine Option für den absurden Menschen, da dieser bedeutete, seine Lebenszeit und damit die Quantität der Erfahrungen zu minimieren.

Der Mythos des Sisyphos ist für Camus ein Beispiel des absurden Menschen, der eine durchweg sinnentleerte Tätigkeit ausführt und der erst durch das Fehlen einer Möglichkeit der Vervollkommnung seiner Arbeit und Existenz wahrhaft glücklich wird. Er sieht Sisyphos als einen glücklichen Menschen, der die absolute Freiheit in der Sinnlosigkeit findet und somit Herr über seine Welt ist.

Camus, Albert: Der Mythos des Sisyphos. Hamburg: Rowohlt, 2000

Eine Antwort auf „Am Abgrund“

  1. für mich ist vieles von dem oben genannten nicht mehr als schönsprecherei einer Sache die wir immer noch nicht gefunden haben. Wir sind das Produkt einer Reihe von Zufällen und wir nennen dies Evolution. Leider Gottes hat diese Entwicklung uns auch einen Verstand gegeben, welcher unzureichend ist um mit den Fragen die er aufwirft fertig zu werden. Hat man erst einmal die Sinnlosigkeit des Lebens und aller Dinge entdeckt und findet (für sich) keine zufriedenstellende Erklärung oder Ausrede um den Verstand davor erblinden zu lassen, bleibt einem nur noch der Wahnsinn. Wir alle leben mit dieser Sinnlosigkeit und selbst wenn man anderen Menschen hilft um seinem Leben einen Sinn zu geben, ist was man bekommt nur Genugtuung aber keine wirklichen Antworten. Folglich können wir nur akzeptieren und uns den Freuden des Lebens hingeben und die Zeit genießen, welche uns der Zufall unserer Existenz vergönnt hat.

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