An inside look for outsiders (II)

Einer von Chrisens überaus einnehmenden Charakterzügen ist und war schon seit Beginn unserer Freundschaft, dass er immer wieder neue und ungewöhnliche Ideen und Projekte entwickelt, für die er Begeisterung zu wecken sucht. Im Fall von Dunkelraum hatte er damit bei mir leichtes Spiel.
Zu Anfang hatte ich keine genau Vorstellung davon, wie Dunkelraum aussehen würde, wusste nicht, wie es gelingen sollte, Aufmerksamkeit zu gewinnen oder ob das Ganze ein „Erfolg“ werden würde – nicht im Sinne von wirtschaftlichem Gewinn, denn der war nie Thema, sondern ob der Blog etwas werden würde, das jemandem etwas bedeutet, ob wir irgendwem etwas geben könnten woran wir auch selbst wachsen würden.

In den Weiten des Internets mag Dunkelraum eine recht unbedeutende Seite sein, aber zu meiner Verwunderung hat sich eine unscharf umrissene Gemeinschaft zusammengefunden, die meine Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen hat. Die Zahl der Leser hat schnell jene der Hörer der bestbesuchten Vorlesung an unserem Institut übertroffen, was für mich nach wie vor unglaublich ist. Dabei verwechsle ich durchaus nicht das Interesse am Philosophieren mit Bewunderung für meine Leistung oder Person – es ist einfach ein gutes und bestärkendes Gefühl, dass es offenbar eine ganze Reihe von Menschen gibt, die Freude an etwas haben, das mir selbst viel bedeutet.
So würde ich im Grunde auch meine Motivation beschreiben, an Dunkelraum mitzuarbeiten: Meine eigene Begeisterung teilen und einen kleinen Beitrag dazu leisten, der Philosophie mehr Raum außerhalb der Institute und Akademien zu geben. Philosophie besteht nicht aus den Texten der großen Philosophen, sondern aus dem Umgang damit – ebenso wie mit allen anderen Problemen und Fragen, vor welche das Leben jeden von uns stellt – Philosophie bedeutet Philosophieren und ist kein Privileg der Professoren.
Andererseits wird im alltäglichen Sprachgebrauch jeder Austausch von Vorurteilen, Gemeinplätzen und Meinungen an Kneipentheken als Philosophieren bezeichnet. Insofern ist Dunkelraum für mich ein Experiment, dessen Reiz sich bis heute nicht abgenutzt hat: Einen Weg zu finden, zwischen diesen beiden extremen Auffassungen zu vermitteln.

Nach zwei kurzen Jahren Dunkelraum, ungezählten Stunden zumeist freudiger Arbeit an den Artikeln und vielen Diskussionen aus welchen ich eine Menge Anregungen gewonnen habe, ist dieses Experiment für mich noch lange nicht abgeschlossen und doch ein Erfolg. Das rege Interesse der Leser und vor allem die Beteiligung der Kommentatoren bestätigen mich in der Auffassung, dass die Mühe lohnt und Chris hier etwas ins Leben gerufen hat, das einen Gewinn für viele bedeutet, nicht zuletzt für mich selbst.

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