Gefangen im Kreislauf der Geschichte

Machiavelli geht von einem ewigen Kreislauf der Geschichte aus. Staaten bewegen sich beständig von der Ordnung zur Unordnung und hiernach wieder zur Ordnung. Dies liegt zum Einen in der menschlichen Natur insofern, als dass der Mensch ebenso egoman wie auch ein gemeinschaftliches Dasein führen kann (die Egomanie tritt hier als Feind des gemeinschaftlichen Daseins auf und umgekehrt). Zum Anderen ist es in dem Umstand begründet, dass in menschlichen Dingen scheinbar niemals ein Stillstand eintreten kann. Jeder Aufstieg zu einer vollkommen organisierten Gesellschaft endet zwangsläufig mit ihrer Degeneration und, da sich der Stillstand verbietet, endet die Degeneration wieder in einem erneuten Aufstieg zu einer (nahezu) vollkommenen Gesellschaft.
Das Wechselspiel von Egomanie und dem Vermögen zum gemeinsamen Leben führen also immer wieder zu einem Zyklus der Geschichte der beständig zwischen Ordnung und Unordnung wechselt und keine Möglichkeit zum Entrinnen bietet.
Folgt man Machiavelli in dieser Auffassung, so stellt sich unwillkürlich die Frage, in welcher Phase wir uns heute wohl befinden mögen.

nach Kersting, Wolfgang: Niccolò Machiavelli. 2. Auflage. München: C.H. Beck (1998) S. 62f.

2 Antworten auf „Gefangen im Kreislauf der Geschichte“

  1. Nun, um diese Frage zu beantworten muß erst einmal eine ganz andere beantwortet werden:
    Wer ist wir ?
    Sind damit wir Deutschen gemeint, reden wir von der Europäischen Gemeinschaft, der westlichen Zivilisation ? den usa ? Oder einfach ganz allgemein der Menschheit an sich ?
    Denn für jede dieser Staatengebilde oder Gesellschaften muß die Antwort zwangsläufig anders ausfallen…Denn ich bin nicht der Meinung das es darauf nur eine Antwort gäbe, die alle gleichermaßen abdeckt.

    Um aber auch einige Gedanken in den Raum zu werfen: Wir (die westliche Zivilisation) haben unseren Zenith überschritten und sind in der Phase der Degeneration angelangt. Wie auch beim Zerfall anderer großer Reiche, Imperien und Staatengebilde sind inzwischen nur noch Nichtigkeiten wichtig. Die Massen werden mit Brot und Spielen in mannigfaltigster Form davon abgelenkt, während die Lenker des Ganzen verzweifelt versuchen, gegenzulenken. Oder, im Falle derer die wach sind und gemerkt haben das es zu spät ist, die den Kadaver ausplündern und sich an seinen Resten gütlich tun.

    Woher nehme ich diese dreiste Behauptung ? Nun, was ich zu erkennen glaube ist, das sich unsere Lebensweise überlebt hat. Die jetzige Generation – zu der ich ebenso gehöre – ist nicht bereit, größere Opfer zu bringen und rennt der jeweils nächsten Vergnügung und dem neuesten Trend hinterher, um dann atemlos das schale Gefühl der Leere zu registrieren – und sofort zu betäuben.
    Sehe ich mir an, was die Medien vermitteln, so kann ich keinen wirklich tiefen Inhalt erkennen, sondern nur eine Oberfläche, die weiter und weiter poliert und ausgearbeitet wird. Und wenn es nur ist, um das Nichts dahinter zu verbergen….

    Mit diesem kurz Angedachten schließe ich für heute ab… und sage gute Nacht.

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