Der (Alp)Traum vom künstlichen Menschen

Seit Anfang des Monats läuft auf Arte die schwedische Serie »Real Humans«, die uns in eine Welt blicken lässt, die der unseren sehr ähnlich ist. Allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: Die Bewohner dieser Welt haben die Möglichkeit, sich beim Fachhändler einen sogenannten »Hubot« zu kaufen, einen menschenähnlichen Roboter, der ihnen im Haushalt hilft, in ihrer Fabrik arbeitet oder kranke Verwandte pflegt.
Allein, die Illusion damit nur einen hochentwickeltes Automaten erworben zu haben wird schnell brüchig. Die Hubots müssen, um ihre vielfältige Aufgaben erfüllen zu können, eine Art von Intelligenz aufweisen, die bald zum Problem wird – und auch die Menschen, die täglich mit ihnen umgehen, kommen nicht umhin, sich danach zu Fragen was ein Hubot eigentlich ist: Ein bloßes Stück Technik oder ein Spiegel seines Schöpfers?


Die Serie ist nicht nur sehenswert, weil sie spannend und gut erzählt ist. Sie stellt auch die philosophischen Fragen, die mit der Idee eines künstlichen Menschen verknüpft sind, ohne schnelle und oberflächliche Antworten zu geben. Die Figuren reagieren heftig auf die Anwesenheit der Hubots, teilweise mit Angst und Ablehnung, teilweise setzen sie sie mit Menschen gleich und bauen Beziehungen auf. Zumindest nach den ersten Folgen bleibt zugleich noch völlig offen, wie ähnlich die künstlichen Menschen ihren Schöpfern sind: Ist es nur die täuschend echte Simulation menschlichen Verhaltens, oder denken und fühlen sie tatsächlich, haben sie gar ein Bewusstsein ihrer selbst?

Im Kern wirft der künstliche Mensch zwei Fragen auf, die letztlich wieder zu uns selbst zurück führen. Zunächst: Ist es uns grundsätzlich möglich, uns selbst neu zu erschaffen? Die Forschung zu künstlicher Intelligenz und zum Verständnis unseres Gehirns hat in den vergangenen Jahren unglaubliche Fortschritte gemacht. Gegenwärtig arbeitet man im Rahmen des »human brain project« sogar daran, ein funktionales Abbild des menschlichen Gehirns im Computer zu erschaffen. Ob es gelingen wird, ja ob es überhaupt gelingen kann wird gegenwärtig noch heftig diskutiert. Hinzu kommt, dass das rein technische Verstehen des Gehirn noch nicht unbedingt Auskunft über das Wesen des menschlichen Geistes gibt – wie wollte man auch Begriffe wie Geist und Menschsein in der Sprache der Neurowissenschaften ausdrücken?
Die Grenze, die hier sichtbar wird, verweist auf die zweite Frage: Was macht Menschsein aus? Ist es eine Funktion der Hirnrinde oder lässt es sich durch religiös geprägte Begriffe wie den der Seele besser erfassen?

In der Idee des künstlichen Menschen spiegelt sich vor allem eins: Unser Halbwissen über uns selbst. Wenn in der Fernseh-Serie darüber gestritten und darum gekämpft wird, was ein Hubot ist, so geht es dabei ebenso sehr um die Frage, was wir sind, was uns von ihm unterscheidet: Ist der Mensch auch nur eine bio-chemische, bio-elektrische Maschine? Dann ist es nicht abwegig anzunehmen, dass wir eines Tages in der Lage sein werden, künstliche Menschen zu erschaffen – nach unserem Bilde. Oder wird die Natur des Menschen sich uns nie ganz erschließen, weil zu ihr etwas gehört, das sich medizinisch-biologisch nicht erfassen lässt?
»Real Humans« überspringt die Frage des Möglichen und versetzt uns in eine Welt, in der die künstlichen Menschen bereits unter uns sind. Nun gilt es auszuloten, worin der Unterschied besteht zwischen den Maschinen, die uns so beängstigend ähnlich sind, und den »echten Menschen«, für die wir uns halten ohne sagen zu können, was uns als solche bestimmt.

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