Wie viel Ungleichheit ist noch gerecht?

Im Januar ging es in dem Dunkelraumartikel »Die Welt ist nicht gerecht…« um Gerechtigkeit, oder vielmehr unser Empfinden für und von Ungerechtigkeiten. Am vergangenen Sonntag gab es in der Schweiz einen Volksentscheid mit großem Medienecho, der eng mit dieser Frage verknüpft ist: Wie viel Ungleichheit finden wir noch gerecht – und mit welcher Begründung akzeptieren wir, dass Wenige viel und Viele wenig haben?
„Wie viel Ungleichheit ist noch gerecht?“ weiterlesen

Nietzsche über unbequeme Kritik

Verkehrte Welt. – Man kritisiert einen Denker schärfer, wenn er einen uns unangenehmen Satz hinstellt; und doch wäre es vernünftiger, dies zu tun, wenn sein Satz uns angenehm ist.

Nietzsche, Friedrich: Menschliches, Allzumenschliches. 9. Hauptstück, § 484. Zitiert nach: Schlechta, Karl (Hg.): Friedrich Nietzsche. Werke in drei Bänden. München/Wien: Carl Hanser Verlag, 1966. Bd II, S. 693

Seneca – Das Glück und die anderen

Seneca der Jüngere, ein römischer Gelehrter des ersten Jahrhunderts, schreibt an seinen Bruder über das glückliche Leben. Die Schrift handelt von den Wegen und Abwegen, die sich demjenigen darbieten, der glücklich werden will – und wer will das nicht?
Spätestens seit Aristoteles ist es eine verbreitete Auffassung, dass alles menschliche Bemühen letztlich auf die εὐδαιμονία, die eudaemonia oder Glückseligkeit gerichtet ist – wir mögen nach Reichtum oder Ruhm, Weisheit oder Freiheit von Zwängen streben, letztlich tun es wir, weil wir uns davon versprechen, dass es uns glücklich macht. Die Glückseligkeit selbst ist kein Zweck, um etwas anderes durch sie zu erreichen. Sie allein wird um ihrer selbst willen angestrebt. Wenn aber darin so große Einigkeit herrscht, warum gibt es dann so gewaltige Unterschiede und Widersprüche in der Frage, wie dieses Ziel, das doch alle Menschen eint, zu erreichen wäre?
„Seneca – Das Glück und die anderen“ weiterlesen

Mythos der Philosophie: Prometheus

»Die Sage«, so Kafka, »versucht das Unerklärliche zu erklären«.
Sagen oder Mythen sind also Geschichten, die eine Antwort auf diejenigen Fragen und Rätsel geben, die wir anders nicht lösen können. Eine recht zentrale Frage dieser Art ist die nach dem Ursprung und der Natur des Menschen: Woher kommen wir und wieso sind wir, wie wir sind?
Aufgeklärte, moderne Menschen, die wir sind, werden wir nun an Darwin und die Evolution denken, doch ist damit wirklich alles erklärt? Ist der Mensch nichts weiter als ein hochentwickelter Affe? Oder liegt das Wesen des Menschen, das, was ihn letztlich ausmacht, nicht irgendwo jenseits einer wissenschaftlichen Beschreibung seines Stammbaums?
„Mythos der Philosophie: Prometheus“ weiterlesen

Zeitgeist und Krise – Karl Jaspers

Zu allen Zeiten gab es Untergangspropheten, die das unmittelbar bevorstehende Ende der Welt kommen sahen. Bisher irrten sie alle. Ebenso lange gab und gibt es Denker, Wissenschaftler und Philosophen, die ihre jeweiligen Kultur bescheinigten, sich in der Krise zu befinden, Weg und Ziel aus den Augen verloren zu haben oder schlicht im Sumpf von Machtinteressen, Korruption und Irrlehren zu versinken. Die Letztgenannten hatten in aller Regel recht – wenn es ihnen auch kaum je gedankt wurde und ihre mahnenden Worte zumeist folgenlos blieben.
„Zeitgeist und Krise – Karl Jaspers“ weiterlesen

Alkibiades über Sokrates

oder von der Wirkung des philosophischen Eros

»[……] von [ihm] ward ich oftmals in eine solche Stimmung versetzt,
so dass mir das Leben unerträglich erschien, wenn ich so bliebe, wie ich bin.«

Platon: Symposion. 216A

Die Welt ist nicht gerecht… Sind wir es?

Der nicht selten kluge und hintersinnige Comic Calvin & Hobbes aus der Feder von Bill Watterson handelt von dem sehr aufgeweckten und phantasiebegabten kleinen Jungen Calvin und seinem besten Freund Hobbes: Für alle anderen ein Stofftiger, für Calvin aber ein sehr lebendig und treuer Gefährte.
Es gibt in diesem Comic eine Bilderfolge, in der sich Calvin darüber beschwert, dass etwas ungerecht sei. Sein Vater entgegnet, dass die Welt nun mal nicht gerecht sei und Calvin gibt zurück: »Ich weiß! Aber warum ist sie nie zu meinen Gunsten ungerecht?«
„Die Welt ist nicht gerecht… Sind wir es?“ weiterlesen

Mythos der Philosophie: Eros

Aus heutigen Sicht erschließt sich der Zusammenhang zwischen der Philosophie und Eros, dem griechischen Gott der Liebe, nicht ohne Weiteres: Eros, von den Römern Amor oder Cupido genannt, lässt vielleicht an barocke Bilder von speckigen Engelchen mit Pfeil und Bogen denken. Auch sein Zuständigkeitsbereich wird wohl eher zwischen Liebe und Liebelei, in jedem Fall im Erotischen verortet – und nicht in der Philosophie.

„Mythos der Philosophie: Eros“ weiterlesen

Erich Kästner – Spruch für die Silvesternacht

[……]
Es nützt nicht viel, sich rotzuschämen.
Es nützt nichts, und es schadet bloß,
Sich tausend Dinge vorzunehmen.
Laßt das Programm! Und bessert euch drauflos!

In diesem Sinne uns allen ein glückliches und gesundes neues Jahr voller interessanter Einsichten, neuer Perspektiven und Ideen, die uns voran bringen und bereichern!

Zitat aus: Hartung, Harald (Hg.): Erich Kästner. Zeitgenossen, haufenweise. Gedichte. München/Wien: Carl Hanser Verlag, 2003. S. 262